https://www.faz.net/-gzg-12l0c
 

Kommentar : Eigentlich nicht so schwer

  • -Aktualisiert am

Miteinander zu reden als nur immer übereinander - das ist eine gängige Forderung, auch im interreligiösen Dialog. Warum sich gerade die beiden namhaften Kirchenleute Peter Steinacker und Karl Kardinal Lehmann nicht früh genug daran gehalten haben, bleibt rätselhaft.

          1 Min.

          Der Kirchenmann gibt sich von seiner einsichtigen Seite. „Vielleicht bin ich, vielleicht hätte ich“, sagt Peter Steinacker gleich zweimal im Interview zum Streit über den Hessischen Kulturpreis nachdenklich. Spät, hoffentlich nicht zu spät.

          Ja, vielleicht sind er und Karl Kardinal Lehmann, gewiefte Exegeten, dem von ihnen als anstößig empfundenen Artikel von Navid Kermani tatsächlich nicht gerecht geworden. Vielleicht hätten der frühere Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) und der Mainzer Bischof den muslimischen Schriftsteller tatsächlich einmal anrufen können. Eigentlich ist das gar nicht so schwer.

          Tiefer gehender Dialog

          Miteinander zu reden als nur immer übereinander – das ist eine gängige Forderung, auch im interreligiösen Dialog. Warum sich gerade die beiden namhaften Kirchenleute nicht früh genug daran gehalten haben, bleibt rätselhaft.

          Sicher: Sich als Christ von jemandem mit einer anderen religiösen Überzeugung sagen zu lassen, das Zentrum des eigenen Glaubens, das Kreuz, sei gotteslästerlich, bedarf des deutlichen Widerspruchs. Dabei haben Steinacker und Lehmann aber vielleicht nicht ausreichend wahrgenommen, dass Kermanis Äußerungen insgesamt auch Muslime irritiert haben und sie kein Ende, sondern ein Anreiz für einen tiefer gehenden Dialog sein können.

          Christliche Religionspädagogik

          Dass Steinacker meint, es sei nun nicht viel Porzellan im interreligiösen Dialog zerschlagen, ist schwer nachzuvollziehen. Zu deutlich war das Unverständnis, auf das sein und Lehmanns Vorgehen etwa bei Vertretern des Frankfurter Rates der Religionen gestoßen ist. Gerade der Vorsatz der EKHN-Pröpstin für Rhein-Main, Gabriele Scherle, man lasse sich im Rat nicht entmutigen, zeigt, dass der Vorgang durchaus das Zeug zu einer erheblichen Demotivation hatte.

          Mehr als nachdenklich muss stimmen, wie Steinacker den Stellenwert des christlichen Auferstehungsglaubens unter den Christen selbst beurteilt: „erschreckend“. Wie kräftig ist die christliche Religionspädagogik eigentlich noch, wie überzeugend sind Liturgie und Predigt? Aber das steht auf einem anderen Blatt.

          Weitere Themen

          Im Zeichen der A 49

          Parteitag der Grünen : Im Zeichen der A 49

          Auf dem Parteitag der hessischen Grünen ist der Weiterbau der Autobahn 49 von Gießen nach Kassel ein heikles Thema. Während die Regierungspartei ihn mitträgt, streitet die Basis.

          Topmeldungen

          Anna Vollmer, Volontärin der F.A.Z., mit der Corona-Warn-App der Bundesregierung

          Corona-App : Nachverfolgung im Trippelschritt

          Auf den ersten Blick ist sie ein Erfolg: Die Corona-App könnte vor allem den überlasteten Gesundheitsämtern helfen. Sie gibt aber nicht einmal acht Prozent des nachgewiesenen Infektionsgeschehens wieder.
          Beträchtlicher Umfang: AVP verarbeitet rund 72 Millionen Rezepte im Jahr.

          AVP-Insolvenz : Schwerer Schlag für viele Apotheken

          Die Insolvenz des Rezeptabrechners AVP hat viele Apotheken in Existenznot gebracht. Voraussichtlich werden sie wohl nicht bevorzugt ausgezahlt – und könnten dadurch viel Geld verlieren.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.