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Kommentar : Doppelt und dreifach prüfen

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Als Christopher Jahns noch Präsident der European Business School war, hat er sich gern seiner guten Kontakte zur Landesregierung gerühmt. Jetzt, da Jahns unter schwerem Untreueverdacht steht, tut die Opposition im Landtag, was sie tun muss.

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          Als Christopher Jahns noch Präsident der European Business School war, hat er sich gern seiner guten Kontakte zur Landesregierung gerühmt. Für die private Hochschule haben sich diese Beziehungen im Wortsinne ausgezahlt: Rund 17 Millionen Euro aus der Staatskasse sind schon in den Aufbau der neuen Jura-Fakultät in Wiesbaden geflossen. Jetzt, da Jahns unter schwerem Untreueverdacht steht, tut die Opposition im Landtag, was sie tun muss: Sie versucht, CDU-Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann des fahrlässigen Umgangs mit Steuergeld zu überführen.

          Die Indizien, die SPD, Grüne und Linke gestern präsentierten, sind allerdings nicht geeignet, die Ressortchefin ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Schließlich waren die Zuschüsse, die der EBS versprochen wurden, nie an die Person von Jahns gebunden. Stichhaltige Beweise, dass dieses Geld in dunklen Kanälen versickert ist, sind bisher nicht aufgetaucht. Kann die Hochschule nachweisen, dass sie die Zuwendungen für den Zweck einsetzt, für den sie bestimmt sind, gibt es keinen Grund, die Finanzierung zu stoppen.

          Man darf auf die Zahl der Jura-Bewerbungen gespannt sein

          Allerdings ist das Land gut beraten, doppelt und dreifach zu prüfen, ob in dieser Hinsicht wirklich alles seine Ordnung hat. Sollte doch ein Missbrauch nachgewiesen werden, würde sich noch viel drängender die Frage stellen, die Kritiker schon beim Bekanntwerden der EBS-Subventionierung aufgeworfen haben: Wie kann das Land am Ende bis zu 25 Millionen Euro für eine private Institution ausgeben, während es gleichzeitig bei seinen eigenen Hochschulen 34 Millionen Euro einspart?

          Vertretbar ist das nur, wenn die EBS in ihrer „Law School“ ein einzigartiges Bildungs-Angebot macht, mit dem die Landes-Unis nicht konkurrieren können und das Hessen einen bedeutenden Standortvorteil verschafft. Der Ruf der EBS und die Rechtfertigung ihrer Unterstützer in Wiesbaden hängen davon ab, dass dies gelingt. Irgendwann wird die Hochschule verraten müssen, wie viele Bewerber sich für ihren Jura-Studiengang angemeldet haben. Auf diese Zahl darf man gespannt sein.

          Sascha Zoske

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

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