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Kommentar : Die spannendste Preisverleihung

Es ist sicherlich klug, dass sich die vier Teilnehmer des Gesprächs in Mainz entschlossen haben, vorerst nichts Näheres über den Verlauf ihrer Unterhaltung am Freitag mitzuteilen. Nur das erfreuliche Ergebnis haben sie zur Kenntnis gegeben.

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          Es ist sicherlich klug, dass sich die vier Teilnehmer des Gesprächs in Mainz entschlossen haben, vorerst nichts Näheres über den Verlauf ihrer Unterhaltung am Freitag mitzuteilen. Nur das erfreuliche Ergebnis haben sie zur Kenntnis gegeben: Salomon Korn, Karl Lehmann und Peter Steinacker sind der Ansicht, dass auch Navid Kermani mit dem Hessischen Kulturpreis ausgezeichnet werden soll.

          Diese Zurückhaltung ist mit Rücksicht auf das Kuratorium des Hessischen Kulturpreises gewiss geboten. Denn dieses muss nun entscheiden, ob es der Empfehlung der drei bisherigen Preisträger folgen will. Jedes weitere Wort von ihrer Seite könnte wie eine Nötigung wirken. Es ist allerdings auch so klar, dass das Kuratorium dem Wunsch der drei Preisträger folgen wird, dafür wird sein Vorsitzender, Ministerpräsident Roland Koch, schon sorgen.

          Für die interessierte Öffentlichkeit ist das Schweigen der Protagonisten bei allem Verständnis für die Umstände unbefriedigend. Immerhin war der Zwist um die Haltung Kermanis zu christlichen Kreuzesdarstellungen von vielen Beobachtern als symptomatisch wahrgenommen worden: dafür, dass es um den christlich-islamischen Dialog immer noch schlecht bestellt ist.

          Man möchte deshalb möglichst rasch erfahren, wie die Annäherung aussieht, die in dem Gespräch in Mainz erreicht wurde. Es war hoffentlich mehr als das Bewusstsein um die politischen Weiterungen, die ein endgültiger Abbruch dieses Trialogs der Religionen bedeutet hätte. Immerhin waren vier der zugleich gebildetsten und tolerantesten Vertreter der jeweiligen Religion in diesem Land vom Kuratorium ausgewählt worden. Wer, wenn nicht sie, sollte das gesellschaftliche Gespräch zwischen den Glaubensrichtungen im wahrsten Sinne des Wortes führen?

          Nun heißt es wohl: warten bis zur Preisverleihung, die für den Herbst geplant ist. Sie wird für eine Feier dieser Art ungewöhnlich spannend sein. Die Preisträger werden nicht umhinkommen, jeder für sich Bedingungen und Grenzen des interreligiösen Dialogs sehr klar zu definieren. Die üblichen Toleranzformeln werden nicht ausreichen. Wenn die Unterschiede ohne Scheu benannt würden, dann hätte der Konflikt sein Gutes gehabt - gerade für eine Gesellschaft, die sich aus theologischem Unwissen angewöhnt hat, religiöse Differenzen als kulturelle Irritationen abzutun.

          Matthias Alexander

          Redakteur im Feuilleton.

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