https://www.faz.net/-gzg-8wdbo
 

Kommentar : Die S-Bahn muss pünktlicher werden

  • -Aktualisiert am

Jede kleine Verzögerung bringt die Fahrpläne aller S-Bahn-Linien ins Wanken. Bild: dpa

Seit Jahren klagen Kunden über unpünktliche S-Bahnen. Mit dem bevorstehenden Ausbau der S6-Strecke nach Bad Vilbel und Friedberg kommt nach Jahren der Planung ein Projekt in Gang, das die Situation verbessern wird.

          1 Min.

          Die vielen Verspätungen der S-Bahn kosten die Bahn richtig Geld. Denn der Konzern muss jedes Jahr einen Millionenbetrag an den Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) als Strafe für Unpünktlichkeit zahlen. Doch davon haben die Fahrgäste nichts. Für sie ist am wichtigsten, dass sie halbwegs pünktlich an ihr Ziel gelangen.

          Immerhin bekommen sie vermutlich von Sommer an einen kleinen Ausgleich für ihr Warten auf die Bahnen. Verspätet sich eine S-Bahn oder ein Regionalzug um mehr als zehn Minuten, können die Fahrgäste im Rahmen der Zehn-Minuten-Garantie einen Anspruch auf Rückzahlung des Fahrgeldes erheben.

          Aber das löst das Problem nicht. Vielmehr müssen die Verspätungen aufhören. Man kann der Bahn nicht den Willen absprechen, die Situation zu verbessern, allerdings sind ihre Mittel begrenzt. Die S-Bahn leidet nämlich unter einem strukturellen Defizit. Ihr Netz wurde in den siebziger Jahren aufgebaut. Weil das Fahrgastaufkommen Jahr für Jahr wuchs, wurden immer neue und längere Züge auf die Schienen gebracht. Die Infrastruktur wurde dagegen nicht im gleichen Maße ausgebaut.

          Die Lösung des Pünktlichkeits-Problems hängt letztlich vom Ausbau des Eisenbahnknotens Frankfurt ab. Jahrzehntelang ist hier wenig geschehen. Jetzt, da der Engpass in und um Frankfurt den gesamten Fernverkehr der Bahn behindert, scheinen die Verantwortlichen beim Bund, im Land und in den Kommunen sowie bei der Bahn sich endlich des Ernstes der Lage bewusst zu sein.

          Mit dem bevorstehenden Ausbau der S6-Strecke nach Bad Vilbel und Friedberg kommt nach Jahren der Planung ein Projekt in Gang, das die Situation verbessern wird. Zudem sind die Chancen auf den Bau der Nordmainischen S-Bahn gestiegen.

          An den beiden Vorhaben kann man ablesen, dass es Jahrzehnte dauert, bis ein großes Infrastrukturprojekt verwirklicht werden kann. Weil die Planungs- und Genehmigungszeiten so unendlich lang sind, sollten sich Frankfurt, die Rhein-Main-Region sowie Land und Bund jetzt und nicht erst morgen mit der Idee eines zweiten S-Bahn-Tunnels in Frankfurt beschäftigen. Unsere Kinder und Kindeskinder werden ihnen dafür einmal dankbar sein.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          F.A.Z. exklusiv : Wie die Krise Familien verändert

          Zwischen Verzweiflung und Glück: 25.000 Familien sind in einer Studie befragt worden, wie sie die Corona-Krise erleben. Welche Familien hart getroffen sind – und für welche die Krise eine Erleichterung ist.
          Gedenkort für die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde in Berlin

          Bedrohung durch Euthanasie : Zorn, der nicht vergeht

          In letzter Zeit muss ich häufig an meinen Großonkel Hermann und seine Wutanfälle denken. Warum wir sehr vorsichtig sein sollten, wenn wir über den Wert des Lebens reden. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.