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Helmut Schwan (hs.)

Kommentar : Die Lärmpause ist grün

  • -Aktualisiert am

Standpunkt: Sie wollen keine Lärmpause, sondern ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr Bild: dpa

Das von Hessens Verkehrsminister vorgestellte Konzept zur Lärmpause erfährt ein geteiltes Echo. Viele Fragen sind tatsächlich noch offen: Etwa, welches Modell das beste Verhältnis von Ruhe und Alltagstauglichkeit ergibt.

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          Eine Stunde mehr Schlaf über das sechsstündige Nachtflugverbot hinaus: Für die Anwohner des Frankfurter Flughafens ist das ein großes Versprechen. Der hessische Verkehrsminister von den Grünen hatte es schon im Wahlkampf gegeben, es wurde im Koalitionsvertrag mit der CDU nur milde relativiert. Überhaupt lässt der Seniorpartner, siehe zuletzt in der Diskussion um das Terminal 3, auch mit Blick auf die sogenannten Fluglärmpausen keine Zweifel aufkommen, man ziehe an einem Strang.

          Das von Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir vorgestellte Konzept ist zum Teil auf Zustimmung, aber in der Opposition, den Bürgerinitiativen und Teilen der Luftverkehrswirtschaft schon im Vorfeld auf Skepsis gestoßen. Viele Fragen sind tatsächlich noch offen: Etwa, welches Modell das beste Verhältnis von Ruhe und Alltagstauglichkeit ergibt; was passiert, sollte die Zahl der nachgefragten Starts und Landungen doch noch wie prognostiziert in den nächsten Jahren deutlich steigen. Zudem hat es den Anschein, als müssten die Menschen unter den Einflugschneisen der Landebahn Nordwest am meisten Abstriche machen.

          Viele Kröten geschluckt

          Trotz dieser Ungewissheiten müssen sich die Kritiker in einer ruhigen Minute darüber klarwerden: Ein smartes Neuarrangement von Hunderten Starts und Landungen ist angesichts des komplexen Systems Flughafen, das auf Wachstum angelegt ist, das derzeit einzig Machbare, um Entlastung vom Lärm zu bringen. Die Deutsche Flugsicherung trägt das Experiment mit. Sie hat schon deutlich gemacht, Sicherheit und Kapazität dürften nicht darunter leiden. Das Modell, auf das sich alle erst noch in einem vermutlich mühsamen Prozess verständigen müssen, soll daher zunächst ein Jahr lang erprobt werden.

          Al-Wazir hat zugegeben, dass er in den vergangenen Monaten Kröten habe schlucken müssen, weil seine Vorstellung, die Lärmpausen möglichst „gerecht“ zu verteilen, vor allem morgens an Grenzen stieß. Und er weiß, dass vor allen er verantwortlich gemacht werden wird, wenn das Modell hinter den Erwartungen zurückbleibt. Davor schützt auch nicht, dass das Modell in möglichst großem Konsens der vielen Beteiligten ausgewählt werden soll.

          Das hat sich der Minister so ausgesucht. Darum ist er auch so frei, auf den Schemata seine Parteifarbe für die Pausen zu verwenden. Die Ruhe ist grün. Zunächst allerdings nur auf dem Papier.

          Helmut Schwan
          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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