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Kommentar : Die Flügel schlagen wieder

  • -Aktualisiert am

Erinnerungen: Als die hessische SPD schon einmal mit der Linken zusammenarbeiten wollte, ging das schief. Bild: dpa

Was macht die hessische SPD? Ihr Chef Thorsten Schäfer-Gümbel hat drei große Ziele erreicht und ließ sich dafür feiern. Doch eine Frage bleibt: wie umgehen mit der Linken?

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          Für das Erreichen von drei großen Zielen hat sich Thorsten Schäfer-Gümbel bis Donnerstag feiern lassen können: In den viereinhalb Jahren als Parteivorsitzender hat er die hessische SPD wieder selbstbewusst gemacht, sie bei der Landtagswahl von desaströsen 23,7 auf 30,7 Prozent geführt und die notorisch zerstrittenen Flügel für aufgelöst erklärt. Die Verbesserung des Ergebnisses kann dem SPD-Chef niemand nehmen, und das Selbstbewusstsein seiner Partei liegt in diesen Tagen bei gefühlten 40 Prozent. Nicht ganz so erfolgreich war er aber mit seinen Bemühungen, die innerparteilichen Ränkespiele zu unterbinden, die der SPD in der Vergangenheit extrem geschadet haben. Die vermeintlich gestutzten Flügel beginnen wieder zu schlagen.

          Dass es diese Debatte um eine mögliche Zusammenarbeit mit der Linkspartei in der SPD gibt, muss nicht überraschen, erst recht nicht, dass Andrea Ypsilanti zu jenen gehört, die sich von einem Schulterschluss mit Linksaußen eine für Hessen gedeihliche Politik erhoffen. Ypsilanti spricht einer nicht zu unterschätzenden Minderheit in der SPD-Landtagsfraktion aus dem Herzen. Verblüffend ist allerdings, dass das heikle Thema nur vier Tage nach der Wahl und noch vor Eintritt in Sondierungsgespräche mit der CDU in die Öffentlichkeit getragen wird.

          Noch halten sich Ypsilantis Unterstützer in der Fraktion bedeckt, und auch ihre parteiinternen Kritiker äußeren ihre Meinung nur hinter vorgehaltener Hand, aber Partei- und Fraktionschef Schäfer-Gümbel sollte auf der Hut sein. Er, der für Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit der Sozialdemokraten steht, muss aufpassen, dass ihm im Streit zwischen Linken und Rechten nicht das Heft des Handelns entgleitet. Schäfer-Gümbel hat aus dem Schicksal Ypsilantis nach deren Wortbruch von 2008 gelernt. Als enger Mitstreiter der damaligen Parteichefin weiß er nur zu gut, was man dem Wähler zumuten kann und was nicht. Deshalb hat er vor der Landtagswahl ein rot-grün-rotes Bündnis praktisch ausgeschlossen. Einen abermaligen Wortbruch kann er kaum riskieren, ohne dass die SPD einen Totalschaden erleidet. Schäfer-Gümbel weiß das. Aber weiß man es auch auf dem Ypsilanti-Flügel?

          Ralf Euler
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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