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Kommentar : Die beste Lösung

  • -Aktualisiert am

Islamkunde als verpflichtender Teil des Fachs Ethik wäre nur die zweitbeste Lösung. Ein islamischer Religionsunterricht dagegen ein großer Schritt in Richtung Einbindung der Muslime.

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          Hessen steht vor einer Herausforderung: Jeder achte der sechs Millionen Einwohner hat einen nichtdeutschen Pass, jeder vierte einen sogenannten Migrationshintergrund, sprich: mindestens einen Elternteil, der im Ausland oder als Ausländer in Deutschland geboren ist. Bei Kindern, die jünger als sechs sind, ist es schon fast jedes zweite. Allgemeinplätze wie „Hessen war und ist ein Land der Vielfalt“ oder „Integration ist mehr als bloße Koexistenz“ helfen da nicht weiter; gefragt sind handfeste Vorgaben und Angebote.

          Die CDU/FDP-Regierung hat Anfang 2009 mit der Einrichtung eines Integrationsministeriums ein Zeichen gesetzt. Dessen Chef Jörg-Uwe Hahn (FDP) kam zwar in seiner Regierungserklärung gestern um Plattitüden nicht herum, fand aber auch deutliche Worte. In Sachen islamischer Religionsunterricht stellte er in wohltuender Weise klar, dass die jüngsten Querschüsse von Seiten der CDU Rohrkrepierer waren. Der Koalitionsvertrag, wonach die Einführung islamischen Religionsunterrichts geprüft werden solle, gelte, bekräftigte der Integrationsminister. Soll heißen: Wenn es auf muslimischer Seite einen legitimierten und repräsentativen Kooperationspartner für islamischen Religionsunterricht gibt, wird die Landesregierung diesen Weg gehen - unabhängig davon, was eine Minderheit in der CDU denken mag.

          Wahlrecht für Ausländer brächte Integration nicht voran

          Nur wenn sich bis Ende der Legislaturperiode kein Partner gefunden haben sollte, würde im Fach Ethik eine verpflichtende religionskundliche Unterweisung in islamischer Religion eingeführt. Mit dieser Feststellung dokumentierte Hahn: Islamkunde als Teil des Fachs Ethik wäre nur die zweitbeste Lösung. Eine kritische Auseinandersetzung mit religiösen Überzeugungen ist am besten in einem Unterricht möglich, der auf Deutsch von eigens dafür ausgebildeten, fest in ihrem Glauben, aber auch dem deutschen Rechtssystem verankerten Religionslehrern geleitet wird. Gerade angesichts der vielen noch zu überwindenden Hürden wäre islamischer Religionsunterricht ein großer Schritt in Richtung Einbindung der Muslime.

          Ein generelles Wahlrecht für Ausländer hingegen, wie von der hessischen SPD ins Gespräch gebracht, würde die Integration nicht voranbringen. Schlimmer noch: Die einheimische Bevölkerung wäre ob solch weitreichender Zugeständnisse zu Recht verärgert. Wer sich mit der Bundesrepublik identifiziert, kann die deutsche Staatsbürgerschaft erwerben und damit auch an Landtags- und Bundestagswahlen teilnehmen. Zuerst Integration, dann Mitbestimmung - das ist die richtige Reihenfolge.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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