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Kommentar : Die Bahn kommt leiser

  • -Aktualisiert am

Die Bahn als Störenfried: Rüdesheim im Rheintal Bild: dpa

Zwar brauchen die Anwohner im Mittelrheintal etwas Geduld, bis der Bahnlärm spürbar abnimmt. Die ersten Maßnahmen zeigen, dass die Bahn es mit dem Lärmschutz ernst meint. Doch die Hauptverantwortung liegt woanders.

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          Es wird leiser werden im Rheintal, aber die Bürger müssen noch viel Geduld aufbringen. Die effizienteste Methode, die Umrüstung der teils jahrzehntealten Güterwaggons auf eine neue Bremstechnik, die alle Rollgeräusche spürbar dämpft, zieht sich noch bis ins Jahr 2020 hin. Der Bau von weiteren Schallschutzwänden setzt in jedem Einzelfall ein langwieriges Planfeststellungsverfahren voraus. Andere technische Möglichkeiten sind teuer und in ihrer Wirkung vergleichsweise gering. Und wenn im Sommer die Bahnlärmstudie in ihrer Endfassung auf dem Tisch liegt, dann bleibt zunächst völlig ungewiss, welche der darin aufgezeigten Möglichkeiten einer zusätzlichen Lärmminderung vom Bund tatsächlich finanziert werden.

          Die Studie ist aber auch ein Anzeichen dafür, dass es der Bahn nach Jahren des Zögerns und Wegduckens tatsächlich ernst ist mit dem Streben nach mehr Lärmschutz. Für die Pflege der Schienen und die Umrüstung der Waggons nimmt die Bahn eigenes Geld in beträchtlicher Höhe in die Hand.

          Hauptverantwortung liegt beim Bund

          Dass die Bahn ein Nachtfahrverbot und ein Tempolimit auf einer der wichtigsten europäischen Strecken für den Schienengüterverkehr ablehnt, ist verständlich. Das Argument, dass die Logistik auf einem europaweit verzweigten Schienennetz nicht mit der eines Flughafens vergleichbar ist und dass Betriebsbeschränkungen zu einer auch politisch unerwünschten Verlagerung von Güterverkehr auf die Straße führen, ist jedenfalls nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen. Als Druckmittel können und dürfen die Bundesländer und die Bürgerinitiativen diese Forderung allerdings nicht aus der Hand geben, um den Elan den Bahn beim Lärmschutz am oberen Limit zu halten.

          Die Hauptverantwortung beim Lärmschutz entlang der Schiene fällt allerdings weiterhin dem Bund zu. Wenn der Bund der Bahn eine millionenschwere Dividende abverlangt, dann muss er seinem Unternehmen auch finanzielle Spielräume lassen, um die Akzeptanz des Schienengüterverkehrs zu erhöhen. Und einen Teil der Gewinne muss der Bund für dringend notwendige Lärmschutzprojekte bereitstellen.

          Die Bürger müssen sich darauf einstellen, dass erst in etwa fünf Jahren die Lärmbelastung spürbar zurückgehen wird. Vom Erfolg der jetzt im Ansatz formulierten Bemühungen wird es abhängen, ob dann der gegenwärtig laute Ruf nach Betriebsbeschränkungen abebben wird.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

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