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Kommentar : Der weite Weg zur Inklusion

Vor fast fünf Jahren haben die Vereinten Nationen das "Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen" getroffen. Die Folgen sind tiefgreifend, besonders für die Schulen. Denn die flächendeckende „Inklusion“ ist mit dem derzeitigen gegliederten Bildungswesen kaum zu vereinbaren.

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          Vor fast fünf Jahren haben die Vereinten Nationen das "Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen" getroffen. Seinerzeit war das den meisten deutschen Medien allenfalls eine Randnotiz wert. Und unter "Inklusion" konnten sich nur Fachleute etwas vorstellen. Die Lage hat sich geändert: Auf Elternabenden, in Talkshows, selbst in Podiumsdiskussionen auf dem Hessentag wird erörtert, wie man behinderten Kindern den Besuch einer regulären Schule ermöglichen kann.

          Es bleibt nicht bei Debatten. Gestern hat das Bundeskabinett einen Aktionsplan zur Verwirklichung der Behindertenrechtskonvention beschlossen, vorige Woche stimmte der hessische Landtag für ein Schulgesetz, das den Vorgaben genügen soll. Von einer breiten Öffentlichkeit lange unbemerkt, haben die Vereinten Nationen den Behinderten, ihren Verbänden und Fürsprechern ein machtvolles Instrument an die Hand gegeben.

          Tiefgreifende Folgen

          Die Folgen sind tiefgreifend, besonders für die Schulen. Denn die flächendeckende "Inklusion" ist mit dem derzeitigen gegliederten Bildungswesen kaum zu vereinbaren. Wie ist zu rechtfertigen, dass Sonderschüler künftig ein Gymnasium besuchen dürfen und dort individuell gefördert werden, aber Haupt- oder Realschülern der Besuch dieses Gymnasiums verwehrt bleibt?

          Die Länder, in denen die Integration behinderter Kinder schon weiter vorangeschritten ist, haben meist ein Gesamtschulsystem. Große Leistungsunterschiede in einer Klasse sind die Regel - nicht nur zwischen Behinderten und Nichtbehinderten. Damit einher geht eine individuelle Förderung, die nur mit mehr Personal möglich ist. Es gibt Fachkräfte für besondere pädagogische Aufgaben, und den Klassenlehrern steht ein Assistent zur Seite, der sich um einzelne Schüler kümmern kann. Davon ist Hessen noch weit entfernt.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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