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Kommentar : Der Preis des Erfolges

Die Expansion der Helaba verändert die Landesbanken-Landschaft. Und die Helaba selbst auch.

          2 Min.

          Die Finanzkrise war in Deutschland in erster Linie eine der von Banken in staatlichem Eigentum, was von jenen Politikern gerne vergessen wird, die sich schwungvoll als Kritiker von Bankiers und Bankern profilieren, weil diese angeblich die Welt fast in den Abgrund gerissen hätten. Dass mit der Helaba eine Landesbank gut durch die schwierigen Jahre seit 2007 gekommen ist, muss als Ausnahme gelten, es war nicht die Regel. Die Helaba hatte ihre eigene Krise in den siebziger Jahren durchlitten; seitdem haben alle Vorstände äußerst vorsichtig agiert.

          Vor der jüngsten Finanzkrise hatte es eine Zeitlang so ausgesehen, als werde der im Vergleich der Landesbanken bloß mittelgroßen Helaba womöglich eines Tages nur noch die Wahl bleiben, sich entweder einem Zusammenschluss der norddeutschen oder der süddeutschen Landesbanken anzuschließen, sollte die Konsolidierung dieser Kreditinstitute so voranschreiten, wie es die genossenschaftlich organisierten Häuser vorgemacht haben. Dort bestehen nur noch zwei zentrale Institute für Deutschland.

          An dem Geschäftsmodell der Helaba wird niemand rütteln wollen

          Mit der Krise hat sich die Lage für die Helaba aber insofern grundlegend geändert, als ihr wegen ihres wirtschaftlichen Erfolges eine besondere Verantwortung zugewachsen ist. Wie selbstverständlich fällt es dem Kreditinstitut an der Neuen Mainzer Straße in Frankfurt zu, nach dem Zusammenbruch der WestLB deren Geschäft mit den Sparkassen in Nordrhein-Westfalen zu übernehmen. Und nach einigem Zögern hat sich die Sparkassenfamilie auch bereitgefunden, diesen Weg mit einer Milliarde Euro zu unterstützen.

          Damit verändert die Helaba die Landesbanken-Landschaft in Deutschland. Übernahm sie bisher zentrale Funktionen nur für die Sparkassen in Hessen und Thüringen, so wird sie dafür künftig auch im bevölkerungsreichsten Bundesland zuständig sein. Umgekehrt aber verändert dies auch die Helaba. Das Verhältnis ihrer Träger untereinander ist schon jetzt nicht immer einfach, doch bisher mussten sich nur der Sparkassenverband Hessen-Thüringen und die Landesregierungen dieser beiden Ländern verständigen. Nun kommen als Träger der Rheinische Sparkassen- und Giroverband sowie der Sparkassenverband Westfalen-Lippe hinzu, und nach den neuesten Meldungen vielleicht sogar andere Landesbanken. Womöglich wird zudem auch die deutsche Sparkassenorganisation auf Mitsprache pochen.

          An dem Geschäftsmodell der Helaba wird niemand rütteln wollen. Doch einfacher werden Abstimmungsprozesse nicht, wenn der Trägerkreis größer wird, allemal dann nicht, wenn weitere Konsolidierungsschritte in der Landesbanken-Landschaft folgen sollten. Die Verbreiterung ist insofern ein Preis des Erfolges der Helaba. Andererseits: Je enger die Verflechtung, desto unwahrscheinlicher ist es, dass die Wege an Frankfurt vorbeiführen, wenn es wirklich einmal nur noch eine einzige Landesbank geben sollte.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

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