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Kommentar : Der Patient soll wählen

  • -Aktualisiert am

Bei den Bürgern des Landkreises Miltenberg handelt es sich im Moment um besonders interessante Persönlichkeiten. Sie sind als Patienten und Wähler gefragt. Den ersten Konflikt tragen das Rhön-Klinikum und niedergelassene Ärzte miteinander aus. Einen Sieger kann man diesem Streit nicht wünschen.

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          Bei den Bürgern des Landkreises Miltenberg handelt es sich im Moment um besonders interessante Persönlichkeiten. Sie sind gleichzeitig als Patienten und Wähler gefragt. Vor ihrer Haustür werden zwei unterschiedliche Auseinandersetzungen geführt, und in beiden Fällen geht es allein um ihre Sympathie.

          Den ersten Konflikt tragen das Rhön-Klinikum und die niedergelassenen Ärzte miteinander aus. Dabei klingt die Argumentation der Mediziner reichlich antiquiert. In ihren Praxen werde der Patient immer von demselben Ansprechpartner betreut, sagen sie. In einem Versorgungszentrum hingegen treffe man mal auf diesen, mal auf jenen Arzt.

          Na und? Der Vierzigjährige, der Probleme mit seiner Bandscheibe hat, braucht keinen älteren Herrn mit silbernen Haaren, der ihm geduldig zuhört und dem er sich für den Rest des Lebens anvertrauen kann. Er sucht einen Spezialisten auf, der über die modernsten Diagnosegeräte verfügt und ihm so schnell wie möglich die bestmögliche Behandlung zukommen lässt. Ihm ist es völlig egal, ob der Arzt angestellt oder selbständig ist. Gut oder schlecht? Das ist die Frage, die lebenswichtig werden kann. Und sie hängt nicht vom beruflichen Status ab.

          Darum kann man sich in dem Streit zwischen Rhön-Klinikum und niedergelassenen Ärzten keinen eindeutigen Sieger wünschen. „Der Bessere soll gewinnen“ kann in diesem Fall nur bedeuten, dass die Patienten am Ende die Wahl haben müssen, zu dem ihnen bekannten Arzt um die Ecke zu gehen oder sich im Medizinischen Versorgungszentrum in Erlenbach einen Termin geben zu lassen.

          Wer aber nun glaubt, er könne über diese Frage am 28. September abstimmen, der irrt sich. Denn über die am Ende auch in Miltenberg geltenden Regelungen für die personelle Ausstattung von medizinischen Versorgungszentren wird weder am Bayerischen Untermain noch in München, sondern in Berlin entschieden. Trotzdem haben ausgerechnet die Freien Wähler, deren Kompetenz das Kommunale ist, das Thema zu ihrem Wahlkampfschlager erkoren. Dabei können sie für die niedergelassenen Ärzte gar nichts tun. Sie sind nicht im Bundestag vertreten, wie immer die Landtagswahlen auch ausgehen.

          Das konsequente Festhalten an ihrer Strategie deutet darauf hin, dass die Freien Wähler dem Bürger nicht zutrauen, diese Zusammenhänge zu durchschauen. Das Schlimme ist: Damit könnten sie richtigliegen.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

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