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Kommentar : Der Fluch der niedrigen Zinsen

Im Ballungsraum Rhein-Main die Messlatte für Banken schlechthin: Volksbank Frankfurt Bild: Waldner, Amadeus

Die Frankfurter Volksbank meldet sehr gute Zahlen und bestätigt damit, dass sie in ihrer Branche und in diesem Ballungsraum die Messlatte schlechthin ist.

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          Die ersten Kreditinstitute des Ballungsraums legen dieser Tage ihre Zahlen für 2014 vor, und es scheint, dass sie auch in Zeiten äußerst niedriger Zinsen gut leben können. In der vergangenen Woche berichtete die Wiesbadener Volksbank, dass ihr Jahresabschluss ungefähr dem ordentlichen von 2013 entspreche. Nun meldete auch die Frankfurter Volksbank sehr gute Zahlen und bestätigte damit, dass sie in ihrer Branche und in diesem Ballungsraum die Messlatte schlechthin ist. Und auch aus der Frankfurter Sparkasse heißt es, man werde sich mit dem Geschäftsbericht für 2014 nicht verstecken müssen.

          Das erstaunt auf den ersten Blick, weil aus den Kreditinstituten schon seit längerem zu hören ist, der Umgang mit den niedrigen Zinsen sei eine Quälerei. Denn zum einen schrumpft tendenziell die Spanne zwischen den Sätzen, die die Banken für Einlagen zahlen, und denen, die sie für ausgegebene Kredite verlangen - also genau die Differenz, die die Haupteinnahmequelle regionaler Häuser darstellt, die sich mit wagemutigem Investmentbanking nicht befassen. Zum anderen lässt sich kaum noch etwas damit verdienen, kurzfristige Kundengelder selbst langfristig anzulegen - die Zinssätze für unterschiedliche Laufzeiten liegen lange nicht mehr so weit auseinander wie vor einigen Jahren.

          Dass es bisher gutgegangen ist, hat seinen Grund darin, dass die Kundschaft den Häusern treu bleibt und sich mit den traurigen Zinssätzen abgefunden hat. Denn wer den Aufwand nicht scheut, kann etwa bei Direktbanken durchaus noch etwas bessere Konditionen finden als die, die Sparkassen und Volksbanken für Einlagen gewähren. Der zweite Grund ist, dass es der Wirtschaft Deutschlands und auch des Rhein-Main-Gebiets nach wie vor gutgeht und die Banken deshalb kaum Kreditausfälle verdauen müssen.

          Die Schilderung der gegenwärtigen Lage zeigt aber zugleich, dass alles noch ganz anders kommen kann. Die starken Leitzinssenkungen im Laufe des vergangenen Jahres werden erst in den Jahresabschlüssen 2015 vollständig verarbeitet werden müssen, und es mag auch einmal Zeiten geben, in denen die regionalen Unternehmen nicht so reüssieren. Solche Prüfungen können Häuser in beachtliche Schwierigkeiten bringen, und sie können eine neue Fusionswelle auslösen. Die Abschlüsse für 2014 sind mithin nicht mehr als eine Momentaufnahme. Sie bedeuten keinesfalls, dass die Kreditinstitute auf Dauer mit niedrigen Zinsen zurechtkommen. Die Zinspolitik der EZB bleibt ein gewagtes Experiment.

          Manfred Köhler
          (mak.), Rhein-Main-Zeitung

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