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Ausgezeichnete Arbeit: Katharina Iskandar berichtet über Fälle von Rechtsextremismus und Terrorismus im Rhein-Main-Gebiet.

Kommentar : Den Opfern gerecht werden

Der Angriff in Bergen-Enkheim, bei dem sich die Täter offenbar nicht um das Leben ihres Opfers scherten, scheint mit dem Berliner Fall zwar nicht vergleichbar. Aber auch in diesem Fall reicht das Wort „brutal“ nicht aus, um die Tat zu beschreiben.

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          In diesen Tagen wird viel geschrieben über den Fall Johnny K. Der Zwanzigjährige wurde im Oktober 2012 am Alexanderplatz zu Tode geprügelt. Sechs junge Männer müssen sich derzeit vor dem Landgericht Berlin für die Tat verantworten. Der Fall gilt als exemplarisch dafür, dass die zunehmende Brutalität von Jugendlichen nicht nur ein Vorurteil ist.

          Der Angriff in Bergen-Enkheim, bei dem sich die Täter offenbar nicht um das Leben ihres Opfers scherten, ist nach erster Betrachtung mit dem Berliner Fall zwar nicht vergleichbar. Aber auch hier haben Jugendliche den Tod eines Menschen mutmaßlich bewusst herbeiführen wollen oder ihn zumindest billigend in Kauf genommen. Auch in diesem Fall reicht das Wort „brutal“ nicht aus, um zu beschreiben, wie menschenverachtend die Täter vorgegangen sind.

          Schnell der Prozess gemacht werden

          Bisherige Erklärungsversuche, warum eine bestimmte Klientel junger Männer derart verroht ist, sind nach wie vor unbefriedigend. Vielleicht deshalb, weil es keine Pauschalerklärung geben kann; keine Schublade, die auf- und zugezogen wird und einen immer gleichen Tätertypus ausweist mit dem immer selben Motiv. Was deshalb vordringlicher sein muss, ist die juristische Aufarbeitung solcher Fälle. Immer dann, wenn das Thema Jugendkriminalität wieder auf der politischen Agenda steht, werden Forderungen nach schnellerer Bestrafung laut. Das war zuletzt vor drei Jahren so, als in Wiesbaden und Frankfurt sogenannte Häuser des Jugendrechts eingeführt worden sind. Neben dem Ansatz, dass dort Polizei, Staatsanwaltschaft und Jugendgerichtshilfe unter einem Dach arbeiten und versuchen, kriminelle Jugendliche möglichst schnell einzufangen und auf die rechte Bahn zu bringen, bevor es zu schwereren Straftaten kommt, wird auch eine rasche Bestrafung angestrebt. Die Täter, so heißt es, sollen ihre Taten noch vor Augen haben, wenn sie vor ihrem Richter stehen.

          Das ist auch im Fall des fast totgeprügelten Bergen-Enkheimers zu wünschen. Sollten die Täter hoffentlich bald gefasst werden, muss ihnen schnell der Prozess gemacht werden. Früher war die Justiz oft dem Vorwurf ausgesetzt, Fälle „auf Halde“ liegenzulassen, was insbesondere aus Opfersicht nicht zu vermitteln war. Das hat sich inzwischen gebessert.

          Katharina Iskandar
          Verantwortliche Redakteurin für das Ressort „Rhein-Main“ der Sonntagszeitung.

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