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Kommentar : Den Druck erhöhen

Schön, wenn es so einfach wäre: Mehr leerstehende Büros zu Wohnungen umzuwandeln, fordern viele der im Römer vertretenen Parteien und Wählerbündnisse.

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          Schön, wenn es so einfach wäre: Mehr leerstehende Büros zu Wohnungen umzuwandeln, fordern viele der im Römer vertretenen Parteien und Wählerbündnisse. Fast zwei Millionen Quadratmeter Bürofläche stehen in Frankfurt nämlich leer. Etwa ein Drittel dieser Flächen ist in einem so schlechten Zustand, dass sie als nicht mehr vermietbar gelten. Diesem Überangebot an Büro- steht ein Mangel an Wohnraum gegenüber.

          Die Idee, Büro- in Wohnraum umzuwandeln, klingt bestechend einfach. Aber die Wirklichkeit ist wie so oft viel komplizierter. Es folgt der inneren, von außen schwer verständlichen Logik des Immobilienmarktes, dass es sich für einen Eigentümer eher lohnt, ein Bürogebäude leerstehen zu lassen, als es umzuwandeln.

          Denkbar wäre mehr Druck auf die Eigentümer

          Mit der Vermietung von Büros lässt sich allerdings mehr Geld verdienen als mit Wohnungen. Da die Gebäude zudem einst für oft sehr hohe Summen gekauft wurden, stehen diese überzogenen Werte noch in den Büchern. Den eigentlich nicht mehr vermietbaren Objekten wird ein hoher Mietwert unterstellt, obwohl sie eigentlich wertberichtigt werden müssten. Um sie wieder „marktgängig“ zu machen, müssten die Eigentümer viel investieren. Oder bei einem Verkauf einen großen Verlust in Kauf nehmen. Daher zögern viele Eigentümer und warten auf eine günstigere Marktsituation.

          Es ist ein Jammer, dass Betonwüsten die Entwicklung ganzer Stadtteile blockieren. Die Stadt ist aber nicht zu geißeln. Die Umwandlung ist politisch gewollt und wird etwa in der Bürostadt Niederrad, wo das erste Bürohochhaus zum Wohnturm umgebaut wurde, mit viel Phantasie vorangetrieben. Auch im Industriehof, im Bahnhofs- und im Mertonviertel gibt es noch viel Potential.

          Denkbar wäre es, den Druck auf die Eigentümer zu erhöhen, um die Umwandlung weiter zu forcieren. Brandschutz- und Substanzschäden müssen nicht toleriert werden. Wird eine Sanierung verordnet, kommt manches Projekt in Bewegung. Dabei ist es eine Illusion, zu glauben, auf diesem Weg könnte günstiger Wohnraum entstehen. Die Umwandlung ist aufwendig und rechnet sich nur, wenn hohe Einnahmen erzielt werden können. Ein verträgliches Modell ist die Umwandlung zu Studentenappartements, wie die erfreulichen Zahlen zeigen.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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