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Kommentar : Das gute Recht der 200

Schaut man im aktuellen Konflikt um die Vorfeld-Lotsen genau hin, scheinen die Forderungen an Fraport nicht alle ganz so skandalös hoch zu sein.

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          Die Forderungen der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) am Frankfurter Flughafen für die etwa 200 Vorfeldlotsen, Vorfeldaufseher und Mitarbeiter der Verkehrszentrale sind nicht bescheiden, das ist richtig. Das rechtfertigt aber nicht, die kleine Gewerkschaft als erpresserisch und verantwortungslos zu beschimpfen.

          Verantwortungslos ist es, das Vorgehen der GdF gleich in die Nähe einer Straftat zu rücken. Die GdF erfüllt die Anforderungen, die an Gewerkschaften zu stellen sind, die den Schutz des Grundgesetzes genießen. Deshalb darf sie natürlich auch versuchen, Arbeitsbedingungen notfalls mit den Mitteln des Arbeitskampfes zu verbessern. Es besteht auch kein Alleinvertretungsanspruch der Gewerkschaft Verdi am Flughafen. Obwohl es aus Sicht des Unternehmens vielleicht viele Dinge erleichtert, wenn das Management nur ein Gegenüber hat. Eine gewisse Konkurrenz unter Gewerkschaften kann aus Sicht ihrer Mitglieder nicht schaden.

          Nicht alles skandalös

          Es werden nun wieder die Rufe nach einem einzigen Tarifvertrag für ein Unternehmen laut. Aber ganz so einfach liegt die Sache nicht. Auch bei Fraport, also innerhalb des Konzerns, gibt es schon lange mehr als einen Tarifvertrag. Da ist beispielsweise der Haustarifvertrag für die konzerneigene Zeitarbeitstochter APS. Der nützt freilich eher dem Unternehmen, weil die Bedingungen für die von der Tochter Angestellten nicht so gut sind wie die der Kollegen, die unmittelbar bei Fraport arbeiten.

          Schaut man im aktuellen Konflikt genau hin, scheinen außerdem die Forderungen an Fraport nicht alle ganz so skandalös hoch zu sein: Denn mit die kräftigsten und im Sinne der Stammtischempörung wirksamsten Entgeltaufschläge hat Fraport längst akzeptiert. Die für die Vorfeldlotsen nämlich, bei denen die Jahresgehälter von etwa 53 000 auf 80 000 beziehungsweise von 80 000 auf 87 000 Euro steigen sollten. Einig waren sich die beiden Tarifparteien auch schon darin, die Vorfeldmitarbeiter in einer GmbH unterzubringen, also auszugliedern.

          Ohne Optionen

          Uneins sind Fraport und die GdF am Ende in der Frage, ob die Jahresentgelte von gut 100 Mitarbeitern in der Verkehrszentrale und der Vorfeldaufsicht bis 2015 von etwa 42.000 und 52.000 Euro auf gut 60.000 Euro steigen sollen. Wieder ein satter Zuschlag, ja. Das wären etwa zehn Prozent dessen, was der Fraport-Arbeitsdirektor 2009 an Vergütung bekommen hat - ohne Optionen.

          Jochen Remmert
          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

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