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Kommentar : Das Comeback der Männer

Chefin: Frauen fördern Geschlechtsgenossinnen wenig, das gilt gerade für die erfolgreichsten, Roth hat sich da wenig von Angela Merkel unterschieden Bild: dpa

Hessens Landespolitik präsentiert sich als Männerdomäne. Zwar sind weiterhin zwei Frauen der CDU im Kabinett vertreten, doch müssen Puttrich und Kühne-Hörmann künftig mit weniger wichtigen Ressorts vorliebnehmen.

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          Noch vor zwei Jahren war das Gesicht der Stadt Frankfurt weiblich. Oberbürgermeisterin Petra Roth, Bürgermeisterin Jutta Ebeling und Stadtverordnetenvorsteherin Bernadette Weyland bildeten eine Art Triumfeminat, und gelegentlich genossen sie diesen Triumph in einem männlich geprägten Umfeld durchaus ostentativ.

          Es war ein kurzes Fest. Roth und Ebeling sind im Ruhestand, ihre Nachfolger sind Männer. Da Volker Bouffier heute zum Ministerpräsidenten gewählt worden ist, wechselt Weyland als Staatssekretärin ins Finanzministerium nach Wiesbaden. Ihr einziger ernsthafter Nachfolgekandidat ist ein Mann.

          Die Berufung Weylands könnte dazu beitragen, dass sich der männerfreundliche Trend in Frankfurt verfestigt. Ihre Ambitionen auf eine Oberbürgermeisterkandidatur sind mit den neuen Verpflichtungen nicht leicht zu vereinbaren. Manches spricht dafür, dass das von einer Männerseilschaft eingefädelt wurde.

          Keine einzige übrig

          In anderen Städten der Region entwickelten sich die Dinge ähnlich. In der zweiten Hälfte der Neunziger gab es in Roth, Margret Härtel (Hanau) und Ottilia Geschka (Rüsselsheim) gleich drei Oberbürgermeisterinnen, übrigens alle von der CDU. Heute ist keine einzige übrig geblieben.

          Auch die Landespolitik präsentiert sich als Männerdomäne. Zwar sind weiterhin zwei Frauen der CDU im Kabinett vertreten, doch müssen Lucia Puttrich und Eva Kühne-Hörmann künftig mit weniger wichtigen Ressorts vorliebnehmen. Und Priska Hinz wird offenkundig vor allem deshalb Ministerin, weil die Grünen eine strikte Frauenquote haben. Ginge es nur nach parteiinternem Rang und Einfluss, wäre sie an Kai Klose und Mathias Wagner nicht vorbeigekommen. In den Fraktionen ein ähnliches Bild: CDU, SPD, Grüne und FDP werden von Männern geführt werden.

          Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig und individuell: Ein Großtalent wie die frühere Frankfurter Umweltdezernentin Manuela Rottmann hat sich aus privaten Gründen aus der Politik zurückgezogen. Die einstige SPD-Hoffnungsträgerin Andrea Ypsilanti hat sich selbst aus dem Spiel genommen.

          Es gibt auch strukturelle Ursachen: Frauen fördern Geschlechtsgenossinnen wenig, das gilt gerade für die erfolgreichsten, Roth hat sich da wenig von Angela Merkel unterschieden. Vor allem aber sind die Arbeitsbedingungen und das Klima des politischen Betriebs nur schlecht mit den Vorstellungen vieler Frauen von einem erfüllten Leben vereinbar. Dass Quoten daran etwas ändern, ist unwahrscheinlich.

          Matthias Alexander
          Stellvertretender Ressortleiter im Feuilleton.

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