https://www.faz.net/-gzg-6llq4
 

Kommentar : Chaos am Flughafen

  • -Aktualisiert am

Der Winter schafft es doch immer, uns Menschen auf Normalmaß zurückzustutzen.

          Der Winter schafft es doch immer, uns Menschen auf Normalmaß zurückzustutzen. Mühelos analysieren wir den asiatischen Halbleitermarkt, implantieren Nieren oder beschäftigen uns mit den algorithmischen Aspekten der Bioinformatik, doch fünfzehn Zentimeter Neuschnee legen tagelang unsere Welt lahm: Verängstigte Fahrer schleichen in ihren Autos über lange Strecken im ersten Gang, Straßenbahnen rutschen von den Schienen, und sogar der Weltflughafen Frankfurt macht plötzlich den Eindruck, als werde er von Kleinkleckersdorf aus geleitet.

          All den entnervten, entkräfteten oder aggressiven Gestrandeten am Frankfurter Flughafen kann man nur mitleidvolles Verständnis entgegenbringen. Ein guter Teil ihrer Frustration geht aber nicht aufs Konto des Flughafenbetreibers Fraport. Denn Winter ist nun einmal Winter. Schnee und Eis verlangsamen automatisch jeden Prozess der Fortbewegung, das hat physikalische Gründe, daran wird sich so schnell auch nichts ändern. Aber die Fraport AG, sonst nie verlegen im Zeigen von Stolz und Selbstbewusstsein, scheint doch noch Möglichkeiten der Leistungssteigerung entdecken zu können: Eine kompetente, sichere und schnelle Abfertigung auch bei Eis und Schnee geht nur mit ausreichend Personal und Winterdienstgeräten. Was Fraport – im Übrigen aber auch der Beschwerdeführer Lufthansa – in jedem Fall ändern muss, ist das Kommunikationsverhalten. Solche Verkehrsbetriebe vergessen unter all ihrer kopfgesteuerten Logistikorientierung, dass sie keine „Beförderungsfälle“ von A nach B bringen, sondern Menschen. Menschen aber wollen informiert werden, und sie wollen freundlich behandelt werden – eine Entschuldigung, eine Geste, ein freundliches Wort sind das mindeste, was sie erwarten dürfen. Und wenn (nicht erst nach Tagen, sondern sofort) Mitarbeiter des Flughafenbetreibers in solchen Ausnahmesituationen an Wartende Tee ausschenken oder Spielzeug für Kinder austeilen, dann bessert sich das Klima auch gleich. Für Verzögerungen durch das Wetter muss jeder vernünftige Passagier Verständnis haben, für Unfreundlichkeit und Kommunikationsverweigerung nicht.

          Topmeldungen

          Anne Will diskutiert mit ihren Gästen über die Soli-Abschaffung

          TV-Kritik: Anne Will : Wiederbelebung der Neiddebatte

          Die SPD hatte bisher das einzigartige Talent, die Probleme ihrer Konkurrenz zu den eigenen zu machen. Bei der Debatte um den Solidaritätszuschlag scheint das anders zu sein, wie bei Anne Will zu beobachten war.
          Unser Sprinter-Autor: Sebastian Reuter

          F.A.Z.-Sprinter : Von wegen Kinderkram!

          Angela Merkel könnte in Biarritz noch eine tragende Rolle zukommen. Eltern sollten mit ihrem Nachwuchs über einen besonderen Mann sprechen. Und Glück stellt sich manchmal erst spät ein. Was sonst wichtig ist, steht im F.A.Z.-Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.