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Kommentar Cannabis-Freigabe : Oans, zwoa, g’kifft!

  • -Aktualisiert am

Illegale Auswüchse: Der Besitz und der Verkauf von Cannabis sind illegal - während eines möglichen Modellversuches in Frankfurt könnte sich das ändern. Bild: dpa

Ist Cannabis aus guten Gründen illegal? In Frankfurt soll ein Modellversuch zur Cannabis-Freigabe stattfinden, und auch Wiesbaden denkt darüber nach. Eines steht fest, die derzeitigen Gesetze gehen am Alltag vorbei.

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          Man stelle sich das einmal vor: Nach zwei Wochen im Dauerschwebezustand stellt sich der Chef der alljährlich auf dem Römerberg stattfindenden Sause mit breitem Grinsen vor die Presse und verkündet stolz: 300 Tonnen Cannabis vernichtet. Die Kapelle spielt ein letztes Mal auf, der Dunst verzieht sich, „Oans, zwoa, g’kifft!“ Sicher, über den Schlachtruf müsste sich Frankfurt noch einmal Gedanken machen. Aber ein Besuchermagnet wäre es mit Sicherheit, das gemütliche Haschischfest. Egal zu welcher Jahreszeit.

          Wer den Gegnern eines Modellversuchs zur Cannabis-Freigabe glaubt, könnte meinen, diese Zukunftsvision würde bald Wirklichkeit, wenn Grüne und SPD sich durchsetzen. Die Idee eines Modellversuchs zu einer Cannabis-Freigabe lässt manchen Böses ahnen. „Denkt niemand an unsere Kinder?!“ Um gewollten Missverständnissen vorzubeugen: Niemand fordert, demnächst auf Schulhöfen Haschplätzchen zu verteilen. Selbst an Kiosken wird das beruhigende Kraut auf absehbare Zeit nicht erhältlich sein.

          Gegen den Schwarzmarkt

          Im Gegenteil, Befürworter sehen die Chance, Jugendliche besser vor dem Kraut schützen zu können, wenn es einige wenige staatliche Ausgabestellen gäbe. Dass Straßenhändler potentielle Käufer nach ihrem Ausweis fragen, ist nicht bekannt, ebenso wenig, dass sie ihren Stoff auf Qualität prüfen lassen, von ihrer Steuermoral ganz zu schweigen. Die Wahrheit ist, dass der Cannabis-Schwarzmarkt erhebliche Risiken mit sich bringt.

          Ob eine Legalisierung ein wirksames Gegenmittel ist, vermag niemand zu sagen. Wiesbadener Suchthelfer zum Beispiel äußern sich skeptisch. Wegen dieser Unsicherheit ist die Rede von einem Modellversuch. Darin soll es auch um eine bessere Versorgung von Schwerkranken gehen. Viele, denen Cannabis Linderung verschafft, müssen heutzutage den illegalen Weg gehen, um sich zu versorgen.

          Unrealistische Prinzipien

          Wer es möchte, kifft ohnehin, egal ob alt oder jung. Die Dealer in der Frankfurter Innenstadt gehen ihren Geschäften so gelassen nach, als verkauften sie Brezeln oder Lutscher. Wer mit kleinen Mengen Cannabis erwischt wird, hat kaum rechtliche Konsequenzen zu fürchten. Schön ist das nicht, aber es ist sinnlos, auf Prinzipien herumzureiten, die dem Alltag längst nicht mehr standhalten.

          Man kann sogar argumentieren, dass Erwachsene selbst entscheiden können sollten, ob sie sich hin und wieder einen Joint gönnen. Es ist hierzulande Volljährigen ja auch unbenommen, Alkoholiker oder Kettenraucher zu sein. Nicht nur auf dem Oktoberfest wird daraus sogar eine Mordsgaudi.

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