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Kommentar : Bleibende Werte

Lärmschutzprojekt: Unweit des Bahnhofs an der B 455 liegt das Gebäude, das nun für die Eppsteiner Musikschule hergerichtet wird. Bild: Kretzer, Michael

Einfach so taucht da ein Stifter für ein Musikschulhaus in Eppstein auf, das die Stadt sich doch wünscht: Zeit, ein wenig näher hinzuschauen.

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          Ein klein wenig klingt es nach einem Märchen. Eine Stadt wünscht sich ein Haus für die Musikschule, da kommt ein großzügiger Spender und sagt: Hier sind eine Million Euro, das reicht hoffentlich. So ist es Eppstein ergangen, und vielleicht passt die Geschichte besonders gut in eine Stadt, die mit ihrer Burg und der Lage im engen Felsental als Vorlage für eine Modelleisenbahnanlage dienen könnte. Das alte Fabrikgebäude soll sich auch nach seinem Umbau in diese Umgebung einfügen, denn der Stifter hat eine Vorliebe für alte Gemäuer. Insofern darf man seiner Versicherung glauben, behutsam mit dem Gebäude direkt an der Straße umzugehen. Dabei ist es weder denkmalgeschützt noch in seinem jetzigen Zustand sonderlich ansehnlich.

          Auch wenn es unhöflich ist, lohnt es sich, bei manchen Geschenken näher hinzuschauen. Doch der Vertrag scheint nichts zu enthalten, was sich für die Stadt später als Pferdefuß erweisen könnte. Sie bleibt Eigentümerin der Immobilie und verpflichtet sich lediglich, das umgebaute Haus auch tatsächlich als Musikschule oder in Absprache für einen anderen Stiftungszweck zu nutzen. Das ist eine nachvollziehbare und im Sinn der Stiftung gebotene Auflage. Als belebter Ort wird die Musikschule an dieser Stelle zu einer sinnvollen Ergänzung des sanierten Bahnhofsgebäudes.

          Die Renaissance der Mäzene

          Über die Beweggründe des Stifters, die über die von ihm genannten gesellschaftspolitischen Anliegen hinausgehen, mag man spekulieren. Mit seiner Leidenschaft für denkmalgeschützte Immobilien hat Reinhard Ernst schon seit Jahren sein Interesse an bleibenden Werten dokumentiert. Er wäre nicht der erste Unternehmer, den es über den wirtschaftlichen Erfolg hinaus danach drängt, seinen Zeitgenossen und späteren Generationen positiv in Erinnerung zu bleiben. Vor allem aber erweist sich die Verbundenheit mit einem bestimmten Ort ein weiteres Mal als ausschlaggebender Faktor.

          Diese Erfahrung hat man schon in Kronberg gemacht, wo die Liselott und Klaus Rheinberger-Stiftung Millionenbeträge für Burgsanierung und Opel-Zoo zur Verfügung gestellt hat. Auch Beispiele der Frankfurter Museen zeigen, dass das Mäzenatentum eine Renaissance erlebt. Für den vor kurzem zum Bürgermeister gewählten Eppsteiner Ersten Stadtrat Alexander Simon (CDU) ist die Stiftungsofferte ein schönes Geschenk zum Amtsantritt. Am 14.November sollen die Stadtverordneten dem Vertrag über die Musikschule zustimmen. Am selben Tag wird Simon in sein neues Amt eingeführt.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

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