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Ausbau von Straßenbahnlinien : Über Grenzen hinweg

Hier geht es nicht weiter: Eine Straßenbahn an der Grenze zwischen Frankfurt und Offenbach. (Symbolbild) Bild: Marcus Kaufhold

Die Frankfurter Römerkoalition schlägt eine Verlängerung von drei Straßenbahnlinien ins Umland vor. Weil der Platz auf den Straßen knapp ist, dürfte der Ausbau der Strecken kompliziert werden.

          Allmählich kommt Bewegung in den Ausbau des Schienenverkehrs der Region, der angesichts des Wachstums dieses Ballungsraums überfällig ist. Für die S-Bahn-Linie 6 werden eigene Gleise verlegt, der Frankfurter Stadtteil Gateway Gardens erhält eine eigene S-Bahn-Station – das mag alles noch zu wenig sein, aber die Richtung stimmt.

          Dass jetzt auch der Ausbau des Frankfurter U- und Straßenbahn-Netzes in den Blick gerät, ist naheliegend. In der Mainmetropole selbst wurde in dieser Hinsicht zuletzt schon vieles richtig gemacht: Straßenbahnen fahren seit einigen Jahren in die Neubaugebiete am Rebstock und in Preungesheim sowie durch die Stresemannallee, für die U-Bahn wird ein Tunnel ins Europaviertel gegraben.

          Ohne Umstieg in die Mainmetropole

          Dass die Koalition im Frankfurter Rathaus jetzt vorschlägt, drei Straßenbahnlinien ins Umland zu verlängern, ist nur folgerichtig. Dabei war man schon einmal weiter: Nach Offenbach führte im 19. Jahrhundert sogar eine der ersten Straßenbahnstrecken Deutschlands. 1996 jedoch wurde diese Verknüpfung gekappt, weil man irrtümlicherweise meinte, die damals gerade eröffnete S-Bahn reiche als Verbindung aus. Die Prellböcke für die Linie 16 an der Stadtgrenze von Frankfurt und Offenbach stehen symbolisch für das unzureichende regionale Denken in der Verkehrspolitik.

          Die Straßenbahn, seit eh und je emissionsfrei betrieben mit Strom, erlebt weltweit eine Renaissance, weil sie leistungsfähiger und attraktiver ist als ein Omnibus, aber billiger im Bau wie in der Unterhaltung als eine U-Bahn. Würden Frankfurter Strecken nach Offenbach, Bad Vilbel und Neu-Isenburg verlängert, können die Fahrgäste von dort aus rasch und ohne Umsteigen in die Mainmetropole gelangen.

          Knifflig ist der Bau gleichwohl, weil der Platz auf den Straßen knapp ist. Immerhin muss eine Straßenbahn nicht unbedingt eine eigene Trasse haben, sie kann im Autoverkehr mitschwimmen, wenn es anders nicht geht. Moderne Niederflurwagen erlauben überdies einen bequemen Einstieg, ohne dass hohe Bahnsteige errichtet werden müssen wie für U-Bahnen. Vor allem in Neu-Isenburg wäre es gleichwohl eine Herausforderung, zwei Gleise und zudem Haltestellen in der Frankfurter Straße unterzubringen. Unmöglich ist das aber nicht. Es lohnt sich jedenfalls, über die Frankfurter Vorschläge ernsthaft nachzudenken.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

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