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Kommentar : Aufschlag für die Regionalpolitik

Die neue Hertie-Studie zu Frankfurt/Rhein-Main ist Balsam für die Seele. Denn mit der Tatsache, erst auf den zweiten Blick attraktiv zu sein, dann aber die Bewohner offenbar nachhaltig in den Bann zu ziehen, lässt sich sehr gut leben.

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          Die neue Hertie-Studie zu Frankfurt/Rhein-Main ist Balsam für die Seele – für Frankfurt wie für das Umland. Also für die ganze Region. Denn mit der Tatsache, erst auf den zweiten Blick attraktiv zu sein, dann aber die Bewohner offenbar nachhaltig in den Bann zu ziehen, lässt sich sehr gut leben. Viele kommen der Arbeit wegen in die wirtschaftlich erfolgreiche Region, um dann im Lauf der Jahre ihre schönen Seiten zu entdecken. Sicherlich wäre es noch schmeichelhafter, man wirkte unmittelbar so anziehend wie Hamburg, München, Paris oder London. Doch wirklich schlimm wäre, wenn die Bewohner darauf drängten, die Region so schnell wie möglich wieder zu verlassen.

          Aus der repräsentativen Umfrage ist abzuleiten, dass Frankfurt ein Image-Problem draußen in der Welt hat und dass dagegen etwas getan werden müsste. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Wie Wilhelm Bender, früher Fraport-Chef und seit Jahren mit dem Thema Region beschäftigt, zu Beginn der Präsentation sagte, war die Arbeitsthese der Studie, dass die Region schöner sei, als sie von außen wahrgenommen werde.

          In der Region ist ein „Zusammengehörigkeitsgefühl“ zu spüren

          Sie ist nun halt noch einmal bestätigt worden. Doch sind immerhin zwei Aspekte neu herausgearbeitet worden, die den ansonsten milde belächelten Regionalpolitikern Mut machen können: Mehr als 70 Prozent der Befragten geben an, sich selbst als Bürger des Rhein-Main-Gebiets zu fühlen. Und knapp 80 Prozent schätzen die Region als Gebilde mit eigener Kultur ein. Immerhin 52 Prozent meinen, in der Region ein „Zusammengehörigkeitsgefühl“ zu spüren. Damit dürfte die von Lokalpolitikern immer wieder angeführte These widerlegt sein, dass allein der Wohnort Dreh- und Angelpunkt der Bürger sei.

          Das bedeutet im Rückschluss, dass es sinnvoll ist, wenn sich eine politische Ebene zwischen Kommunen und Land um den Erhalt dieser Schönheit kümmert und sich regionaler Herausforderungen annimmt. Zu nennen wäre etwa die Verkehrsbelastung.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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