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Kommentar : Auf gutem Wege

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Bürger mit Engagement: Das Goethehaus wartet auf das Romantikmuseum. Bild: Fricke, Helmut

Das geplante Romantikmuseum braucht private Spender. Es ist bemerkenswert, wie viele sich schon gefunden haben. Dennoch: Jeder weitere ist willkommen.

          Damals, im Februar dieses Jahres, als die Stadt Frankfurt aus der Finanzierung des Romantikmuseums ausstieg, wurde die Direktorin des Goethehauses in dieser Zeitung mit den lapidaren Worten zitiert: Der Kulturdezernent habe ihr mitgeteilt, es sei wünschenswert, dass private Stifter den Anteil der Stadt übernähmen.

          Dergleichen sagt sich leicht. Dennoch haben sich tatsächlich schon viele private Spender am moralischen Portepee packen lassen. Große Summen lassen sich auch aus den Geldbörsen vieler kleinerer Spender addieren.

          Millionär muss man als Stifter nicht sein

          Wie ist der Stand der Dinge heute, gut fünf Monate nach dem Februar-Schock? Bund und Land sind gottlob bei ihren Zusagen geblieben, so dass noch 2,2 Millionen Euro fehlen, also durch private Spenden aufzubringen sind. Sehr ermutigend dabei ist der Umstand, dass allein seit Februar 2,6 Millionen Euro eingegangen sind, darunter die besonders großzügige Spende des Kölner Galeristen Karsten Greve, der eine Million gibt. Nun kann man warten, bis die erforderlichen acht Millionen komplett zusammen sind. Oder man beginnt nach dem Architekturwettbewerb mit dem „Modell Hollein“: Auch der Städel-Direktor hatte mit dem Erweiterungsbau seines Hauses angefangen, ohne dass der voll finanziert war; solche Strategie kann gefährlich sein, aber auch für Anschub sorgen - Baustellen und die Vorstellung, sie hätten vielleicht bleibenden Charakter, machen die eventuelle Gefährdung eines Projektes sinnlich wahrnehmbar.

          Hoffnung gibt, dass die Spender nicht irgendwo gesucht werden, sondern in Frankfurt. Also in einer Stadt, in der das Stiften und Spenden, der Sinn für das Gemeinwohl Tradition haben. Mit dem Untergang des jüdischen Kosmos durch Vertreibung und Vernichtung in der NS-Zeit drohte solcher Stiftergeist zu verschwinden; doch schon seit längerem zählt Frankfurt wieder zu den deutschen Hauptstädten des innerlichen wie materiellen Bürgersinns.

          Roland Kaehlbrandt, der Vorstandsvorsitzende einer der namhaften Frankfurter Stiftungen, der Polytechnischen Gesellschaft, hat vor einer Weile auf die Frage, ob man als Stifter Millionär sein müsse, geantwortet: „Es schadet nicht, aber man muss nicht.“ So ist es. Für das Romantikmuseum sind auch kleine und kleinste Spenden willkommen.

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