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Kommentar : Auf dem Weg nach Europa

Auch eine lange Reise beginnt mit einem kleinen Schritt. Insofern verdient die Ankündigung der Messe Frankfurt, eine „strategische Allianz“ mit dem bisher nicht so bekannten Messeplatz Rom einzugehen, alle Beachtung.

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          Auch eine lange Reise beginnt mit einem kleinen Schritt. Insofern verdient die Ankündigung der Messe Frankfurt, eine „strategische Allianz“ mit dem bisher nicht so bekannten Messeplatz Rom einzugehen, alle Beachtung. Lange genug hatte der Chef des Frankfurter Unternehmens, Michael von Zitzewitz, vollmundig angekündigt, die GmbH müsse in Zukunft europäisch aufgestellt sein; 2004 hatte er gar einmal seine geheimsten Träume ausgeplaudert, in denen Frankfurt zum „europäischen Champion“ der Branche wird. Taten waren dem bisher nicht gefolgt.

          Jetzt endlich kann Zitzewitz etwas vorweisen. Das Frankfurter Unternehmen glaubt fest an Rom, wo gerade ein großes Messegelände entsteht, das dann auch bespielt werden muß; von der italienischen Hauptstadt aus sollen mit deutschem Know-how die Märkte am Mittelmeer bearbeitet werden. Tatsächlich vereinbart ist bisher zwar lediglich eine „Automechanika“ für 2008, und es klingt überaus vage, wie die „strategische Allianz“ darüber hinaus aussehen soll. Aber daß am Anfang niemand weiß, was kommt, ist ja bei Partnerschaften auch sonst so. Wer Zitzewitz kennt, ahnt zudem, daß er sich mit kleinen Dingen nicht zufriedengeben wird.

          Branche leidet unter Überkapazitäten

          Der Weg, den der Messechef eingeschlagen hat, mag weniger glanzvoll sein als die Fusion verschiedener Messe-Unternehmen oder ihre Privatisierung. Solange aber derlei durch mutlose Politiker verhindert wird, scheinen Kooperationen der einzige Ausweg, innerhalb der Branche voranzukommen. Hannover geht in die gleiche Richtung: Der dortige Veranstalter ist vor wenigen Wochen eine Kooperation mit dem traditionsreichen Messestandort Mailand eingegangen.

          Gemeinsam ist Frankfurt und Hannover das Problem, daß die Branche in Deutschland unter erheblichen Überkapazitäten leidet, weil fast jede Großstadt in diesem Markt mitspielen will - nicht, um mit den Veranstaltungen selbst Geld zu verdienen, sondern in der Hoffnung auf Mehrgeschäfte von Hotels, Restaurants und Taxifahrern. Die Messe Frankfurt ist landauf, landab das einzige Unternehmen dieser Art, das seinen Anteilseignern, der Stadt Frankfurt und dem Land Hessen, Jahr für Jahr eine Dividende überweist. Die Überkapazitäten allüberall drücken die Preise und führen dazu, daß sich die Standorte gegenseitig Veranstaltungen abjagen - erfreulich für die Aussteller, ärgerlich für die Besitzer der Hallen.

          Dies ist jedoch nur das eine Schlachtfeld. Das andere ist international: Zunehmend finden Messen dort statt, wo produziert wird, vor allem in Fernost. Die Messe Frankfurt hat darauf früh reagiert; inzwischen organisiert sie eine Vielzahl von Veranstaltungen in Übersee. Aber auch dabei hilft es, wenn das Unternehmen ein starkes Standbein in Europa hat. Die Kooperation mit Rom kann auch in dieser Hinsicht helfen, selbst wenn es bis zum „European Champion“, von dem Zitzewitz träumt, nach wie vor weit ist.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

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