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Jacqueline Vogt (jv.)

Kommentar : Anspruch und Amt

Es ist für hessische Kultusminister offenbar nicht leicht, das eigene Haus in den Griff zu bekommen. Karin Wolff hat das erlebt, nun auch Dorothea Henzler. Ob die Ministerin ihr Amt noch als Traumjob bewertet, sei dahingestellt.

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          Als vor einem Vierteljahr die FDP-Politikerin Dorothea Henzler an einem Seil zog, das zwar kurz war, mit dem aber ein schwerer Stein bewegt wurde, mag sie es sich einfacher vorgestellt haben, das darunterliegende Feld zu beackern, als es sich inzwischen darstellt. Die langjährige und angesehende bildungspolitische Sprecherin der damaligen Landtagsfraktion der Liberalen wollte Kultusministerin werden, und am Ende vieler Verhandlungstage hatte sie ihren Traumjob bekommen.

          Ob sie heute, nach einem Start im Amt, der mit der peinlichen Panne beim Mathematik-Abitur recht holprig geriet, um ihre Position noch oft beneidet wird, steht dahin. Die falschen Aufgaben hatten nicht nur zahllose Schüler in Verwirrung gestürzt, sondern haben auch eine Ministerin beschädigt, der sie nicht anzulasten sind, und die dennoch Verantwortung für sie trägt.

          Juristische und moralische Antwort möglich

          Noch ist es zu früh, über die Arbeit Henzlers bilanzierend zu sprechen. Mit Verwunderung und Unbehagen aber muss man sehen, dass sich ein Muster zu wiederholen beginnt, das noch aus der Zeit von Karin Wolff (CDU) in Erinnerung ist: Es ist, um es vorsichtig auszudrücken, für Kultusminister offenbar nicht leicht, das eigene Haus so in den Griff zu bekommen, dass eine positive Arbeitsstimmung in der Mammut-Behörde entsteht.

          Wen die Schuld daran trifft, wenn Loyalität erodiert und Interna nach außen getragen werden, ist in jedem Betrieb eine Frage, auf die gegebenenfalls eine juristische und immer eine moralische Antwort gefunden werden muss. Wo alle Mitarbeiter Beamte sind, wirken arbeitsrechtliche Drohungen kaum; erst recht taugen sie nicht als unausgesprochenes Druckmittel, das viele private Unternehmen davor schützt, dass die Unzufriedenheit von Angestellten nach außen dringt.

          Dass nun eine Rede, die Dorothea Henzler vor der Personalversammlung ihres Hauses gehalten hat, in die Öffentlichkeit gelangte, ist nicht ganz sauber, mit dem Inhalt der Ansprache aber braucht sich die Ministerin vor Publikum nicht zu verstecken. Im Gegenteil bergen ihre Appelle und auch die Beschreibung des Kultusministeriums als Gremium, das Inhalte vorgebe, aber auch ein Serviceunternehmen zum Wohle der Schule, Schüler und Eltern sei, einen Anspruch, dem man nur zustimmen kann – an dem sich ihre Amtsführung aber auch wird messen lassen müssen.

          Jacqueline Vogt
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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