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Kommentar : Anlass zu Optimismus

Die Planung für das Romantikmuseum schreitet mit einer Ausschreibung voran. Obwohl der Bau noch nicht beschlossene Sache ist, handelt die ABG keinesfalls riskant.

          Strenggenommen hat der Bund Deutscher Architekten recht. Der Wettbewerb für das frühere Areal des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels in der Frankfurter Innenstadt kommt zu früh. Es gibt noch keine politische Entscheidung, ob der Cantate-Saal erhalten werden soll. Und die vier Millionen Euro, die das Freie Deutsche Hochstift nach dem Ausstieg der Stadt zusätzlich für das Romantikmuseum-Projekt aufbringen muss, sind auch noch nicht zusammen.

          Wenn alles schlecht läuft, dann sind am Ende tatsächlich die Architekten gekniffen. Sie hätten sich vergebens Gedanken über die Neubebauung des kleinen, aber ungemein bedeutenden Grundstücks am Großen Hirschgraben gemacht. Sie müssten noch einmal von vorn beginnen und eine reine Wohnbebauung planen.

          Jetzige Planung ist kein Vabanque-Spiel

          Doch so muss es nicht kommen. Vielmehr verdichten sich die politischen Zeichen im Römer, dass der Cantate-Saal erhalten werden soll. Und die Spendensammlung für das Romantikmuseum läuft immerhin so gut, dass die maßgeblichen Männer des Hochstifts vorsichtig Optimismus verbreiten. Warum auch nicht, hat man doch den Eindruck, dass die Frankfurter noch nicht mit letztem Nachdruck dazu aufgefordert worden sind, das Ihre zu dem Projekt beizutragen.

          Jetzt mit der Planung zu beginnen ist also kein Vabanque-Spiel. Wie überhaupt der Wettbewerb beim städtischen Wohnungskonzern ABG Holding in guten Händen ist. Grundsätzlich gibt es zwar Anlass, die Dominanz der ABG auf dem Frankfurter Wohnimmobilienmarkt kritisch zu betrachten. Im vorliegenden Fall ist ihr Engagement angesichts der schwierigen politisch Gemengelage aber durchaus als Glücksfall zu betrachten.

          ABG zeigt großzügige Geste

          Das darf aber keinesfalls dazu führen, dass die Politik den Wohnungskonzern dazu nötigt, das Museumsprojekt verdeckt zu subventionieren, oder dass ihm auferlegt wird, den sanierten Cantate-Saal zu einem Preis zu vermieten, der nicht kostendeckend ist. Dass die ABG den Wettbewerb allein finanziert, ist eine großzügige Geste. Weitere Geschenke darf es aber nicht geben. Das Beispiel der Mainzer Wohnbau hat vor Augen geführt, wie schnell eine städtische Gesellschaft in Schieflage geraten kann, wenn sie dazu missbraucht wird, Prestigeprojekte zu finanzieren.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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