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Kommentar : Abstimmung mit den Reifen

  • -Aktualisiert am

Seit einem Jahr können Autofahrer die neuesten Benzinpreise vergleichen. Doch die erwartete Konkurrenz unter den Tankstellen blieb aus. Das liegt in erster Linie am Verbraucher.

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          Nirgends im wirklichen Leben erweitert man den Preis um die dritte Stelle hinter dem Komma. Noch nicht einmal Grundnahrungsmittel wie ein Laib Brot kosten 2,867 oder 3,952 Euro. Nur beim Benzin wird eine Ausnahme gemacht. Womit wohl angedeutet werden soll, dass die Konzerne mit spitzestem Stift zugunsten der Verbraucher kalkulieren. Oder zu ihrem eigenen, denn auch hinter dem Komma lässt sich bei großen Absatzmengen Geld verdienen.

          Nun sind die Tankstellen seit einem Jahr verpflichtet, innerhalb von fünf Minuten geänderte Benzinpreise einer staatlichen Einrichtung zu melden, die auch noch einen wunderschönen Namen hat: Markttransparenzstelle für Kraftstoffe. Hier und über Apps und Internetseiten wie clever-tanken.de ist also ein Optimum an Vergleichbarkeit hergestellt, neudeutsch: Markttransparenz. Wunderbar, sollte man meinen. Toller Service für aufgeklärte Verbraucher. Überdies ein probates Vehikel zum Geldsparen: Bei einem 70-Liter-Tank spart jemand, der für den Liter zehn Cent weniger zahlt, immerhin sieben Euro. Und zehn Cent Sparpotential je Liter sind durchaus realistisch.

          Der große Preiskampf blieb aus

          Doch nur jeder vierte Autofahrer hat überhaupt schon einmal die Segnungen der Markttransparenzstelle in Anspruch genommen. Woran mag das liegen? In einer Stadt wie Frankfurt sicherlich auch daran, dass hier so viele Dienst- und Firmenwagen unterwegs sind. Und dann hat man auch einmal wieder nicht darauf geachtet, was die Tankuhr anzeigte, und hält rasch an der nächsten Tankstelle. Und außerdem hat man sich ja auch noch nie die Mühe gemacht, den Stromtarif oder den Gaspreis zu vergleichen, man hätte ja überdies auch Mühe, im Keller den passenden Zähler zu finden, alles so lästig.

          Dabei hätten die Menschen doch die Möglichkeit der Abstimmung mit den Reifen. Sie könnten, was sie sonst so gern tun, protestierend und steuernd eingreifen ins Marktgeschehen. Sie könnten die teuren Tankstellen meiden und nur noch die billigen ansteuern, auf dass ein Preiskampf entstünde wie bei Saftschinken und Premium-Orangensaft, und alle wären stolz. Auf sich selbst und auf die Transparenz und auf die Demokratie.

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