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Kommentar : 34 Prozent müssten zu schlagen sein

Bei der vergangenen Bad Homburger Oberbürgermeisterwahl gaben nur 34,5 Prozent der Wähler ihre Stimme ab. Die Bedingungen in diesem Jahr sind besser, denn es sind weder Sommerferien, noch soll es am Sonntag außergewöhnlich heiß werden.

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          Es sind keine Sommerferien, und am Sonntag soll es warm, aber nicht außergewöhnlich heiß werden. Insofern herrschen übermorgen bessere Bedingungen als bei der vergangenen Bad Homburger Oberbürgermeisterwahl, bei der nur 34,5 Prozent der Wähler ihre Stimme abgaben. Die Wahlbeteiligung und die Mobilisierung der eigenen Anhänger bieten also großen Spielraum, das Ergebnis der Direktwahl zu beeinflussen.

          Das gilt zunächst für die CDU, deren Bewerberin Ursula Jungherr in der mehrheitlich konservativen Stadt eigentlich leichtes Spiel haben müsste. Die Tatsache, dass die Vorsitzenden der eigenen Fraktion und der Partei Ende vergangenen Jahres Jungherrs Kandidatur verhindern wollten, hat dem Amtsbonus viel von seinem Glanz genommen. Zwar halten sich die parteiinternen Kritiker seither auffällig zurück. Doch Jungherr ist am Sonntag auf alle Stimmen aus dem bürgerlichen Lager angewiesen.

          Kandidat mit Macherqualitäten

          Auch Jungherrs wohl schärfster Konkurrent Michael Korwisi setzt auf Mobilisierung, und zwar derjenigen, denen die herrschende politische Klasse im Rathaus zu distanziert und etwas zu großbürgerlich ist. Deshalb tritt der Grüne als Unabhängiger an und hat eine Art Volksbewegung initiiert. Voller Stolz verkündete er dieser Tage, dass sich mehr als 500 Personen auf seine Unterstützerliste eingetragen hätten. Damit sei „Wir für Korwisi“ die größte politische Bewegung der Kurstadt, denn selbst die CDU habe weniger Mitglieder. Letztlich zielt Korwisi damit auf Gruppen, die einst der verstorbene CDU-Vorsitzende Bernd Hamer vernachlässigt sah. Er hatte die Union vom Image der Honoratiorenpartei befreien wollen.

          Während Korwisi als das volkstümliche Gegenstück zur Oberbürgermeisterin auftritt und dafür gelegentlich inhaltlich blass blieb, hat SPD-Kandidat Karl Heinz Krug dem scheinbaren Makel des Auswärtigen eine umfangreiche Detailkenntnis der Bad Homburger Verhältnisse entgegengesetzt. Die Wirtschaft ist ein großes Thema des Unternehmensberaters, der statt Kritik aus Prinzip zu äußern auch schon einmal Leistungen anerkennt. Der bürgerliche Sozialdemokrat muss allerdings gegen das allgemeine Tief seiner Partei und deren schwachen Stand in der Kurstadt ankämpfen. Doch einen Kandidaten mit Macherqualitäten kann die SPD sicherlich noch brauchen – es muss ja nicht auf so schwierigem Pflaster wie Bad Homburg sein.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

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