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Esa-Kontrollzentrum Darmstadt : Funkstille: Philae schweigt weiter

  • -Aktualisiert am

Lautlos im Weltraum: Die Darmstädter Kontrollzentrale hat den Kontakt zum Landeroboter Philae verloren. Bild: dpa

Mit jedem Tag schwinden die Chancen: Auch der aktuelle Versuch, Kontakt zum Landegerät auf dem Kometen Tschuri aufzunehmen, scheint gescheitert. Falls Philae bis Freitag nicht auf die gesendeten Signale reagiert, ist es zu spät.

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          Es sieht sehr danach aus, als gehe einer der spektakulärsten Missionen der Europäischen Weltraumagentur (Esa) und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) ganz unspektakulär zu Ende. Der Landeroboter Philae auf dem Kometen Tschuri scheint sich nicht mehr zu melden, sondern sich schweigend in die Tiefe des Alls zu verabschieden. Auch das Kommando, das das DLR am Sonntag in den Kosmos schickte, hat bislang zu keiner Reaktion geführt. „Es ist zu keiner Kontaktaufnahme gekommen“, teilte gestern Philae-Projektleiter Stephan Ulamec der Deutschen Presse-Agentur mit. Die Chancen für eine Verbindung würden nun mit jedem Tag schlechter, weil sich der Komet immer weiter von der Sonne wegbewege. Ausgeschlossen sei es aber nicht, dass der Roboter doch noch ein Lebenszeichen sende. Die Möglichkeit dazu gebe es bis zum 15.Januar.

          „Die Stille von Philae bedeutet leider nichts Gutes“

          Funkstille zwischen der Erde und dem Kometen herrscht schon seit dem 9.Juli 2015. Damals sendete der mit technischem Gerät vollgestopfte Lander letztmals Daten über seinen Gesundheitszustand. Seitdem spekuliert das DLR-Team, was die Ursache für den Abbruch der Kommunikation sein könnte. Mittlerweile gehen die Wissenschaftler davon aus, dass einer der beiden Sender und einer der beiden Empfänger ausgefallen sind und die beiden anderen nicht reibungslos funktionieren.

          Nicht auszuschließen ist auch, dass der Lander umgekippt ist und inzwischen von Staub bedeckt wird. Da der kleine Komet aktiv ist und Gase ausströmen, war seine Oberfläche sowieso nie sonderlich komfortabel und sicher. „Die Stille von Philae bedeutet leider nichts Gutes“, meinte Ulamec. Offensichtlich haben auch die Versuche Ende vergangenen Jahres, durch eine bestimmte Kommandosequenz das Landegerät häufig an- und auszuschalten, um den Transmitter zu aktivieren, nichts gefruchtet.

          In der Nacht vom 21. auf den 22.Dezember sorgte zwar ein schwaches Signal, das die Empfänger der Rosetta-Sonde aufzeichneten, für Diskussionen im Missionsteam, ob sich da ein Weihnachtsmärchen anbahne. Die Analysen zeigten jedoch, dass es sich um kein Lebenszeichen des Landers handelte. Der Komet befand sich im Dezember etwa 245 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt. Inzwischen sind es 300 Millionen Kilometer, und die Distanz wächst von Tag zu Tag weiter. Damit sinken auch die Temperaturen auf Tschuri. Bei minus 51 Grad Celsius kann sich Philae nicht mehr einschalten. Das wird voraussichtlich Ende Januar der Fall sein, dann fände die Mission definitiv ihr natürliches Ende.

          Eine kleine Chance besteht noch

          Weil die Zeit drängt, haben es die Ingenieure und Wissenschaftler des DLR am Sonntag noch einmal versucht. Das von ihnen ins All gesendete Signal sollte das Drallrad im Inneren von Philae in Bewegung setzen. Während der Landung am 14.November 2014 hatte dieses Rad für die Stabilisierung des Landers beim Abstieg von der Sonde auf die Kometenoberfläche gesorgt.

          Absicht war, einen Drehimpuls durch das Drallrad auszulösen. „Im besten Fall rüttelt Philae sich dadurch frei, Staub auf den Solarpaneelen fällt ab, und er steht besser zur Sonne ausgerichtet“, erläuterte der technischen Projektleiter der Mission, Koen Geurts. Operations-Managerin Cinzia Fantinati sprach von einem der letzten Versuche: „Es ist eine kleine Chance. Wir wollen nichts unversucht lassen.“ Die Kommunikationseinheit werde noch bis Mitte Januar eingeschaltet bleiben und weiterhin auf ein Zeichen von Philae horchen. Die Rosetta-Sonde der Europäischen Weltraumorganisation Esa, die den Lander auf einem langen Flug zum Kometen gebracht hatte, soll noch bis September im Dienst sein.

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