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Kolumne: „Überm Teich“ : Ein Landei in New York

  • -Aktualisiert am

Gigantisch: Die Skyline von New York. Bild: AFP

Ich bin fassungslos gewesen, als ich New York zum ersten Mal gesehen habe. Die Stadt hat mich durch ihre schiere Größe in ihren Bann gezogen.

          Das erste Mal besuchte ich New York im Jahr 2009. Meine frisch gebackene Ehefrau Valerie hielt es für eine gute Idee, unsere Flitterwochen in Manhattan zu verbringen. Zu diesem Zeitpunkt war ich mit meinen damals 41 Jahren noch nicht besonders weit herumgekommen. Ich bin im bayerischen Odenwald aufgewachsen. Da kommt man mit fremden Kulturen nur durch vereinzelte Ausflüge ins hessische Michelstadt in Kontakt. „Interrail“ bedeutete für mich, den Schienenbus von Amorbach nach Miltenberg zu nehmen. Einmal sogar - ganz verrückt - ohne Rückfahrticket.

          „Du wirst New York lieben“, meinte Valerie, als wir in einem der berühmten Yellow Cabs saßen, das uns vom JFK Airport in unser Hotel unweit des Flat Iron Buildings bringen sollte. Die dreißigminütige Taxifahrt führte durch Queens, den flächenmäßig größten Bezirk von New York City. Zum Vergleich: Queens hat die Ausdehnung von Münster und besitzt in etwa auch den gleichen Glamourfaktor. Wenn Sie auf eine monotone Reihenhaus-Siedlung von 280 Quadratkilometer Größe stehen, dann ist Queens genau Ihr Ding.

          „Hab‘ ein wenig Geduld“, beruhigte mich meine Frau mit einem Lächeln, als sie meinen leicht enttäuschten Blick bemerkte. Und sie behielt recht. Nach etwa acht Meilen auf der Interstate 495 fährt man eine leichte Anhöhe hinauf und plötzlich – wie aus dem Nichts – taucht die Skyline von Manhattan auf. Diesen Moment werde ich wohl mein ganzes Leben nicht vergessen. Mit offenem Mund blickte ich vollkommen paralysiert auf diese Stadt. Ich wusste natürlich, dass New York groß ist. Aber so unfassbar groß! Das ging tatsächlich über meine Vorstellungskraft hinaus.

          Riesige Dimensionen

          Man stellt sich ja gerne bestimmte Dinge in der Phantasie großartig vor, aber muss dann erkennen, dass sie in der Realität viel kleiner sind. Die Akropolis zum Beispiel. Oder die Liebe. Bei New York ist es genau umgekehrt. Aus zahllosen Filmen und Serien meint man, diese Stadt zu kennen. Man glaubt, man wisse, wie groß die Dimensionen dort sind. Doch die Realität schlägt das alles um Längen.

          Diese 16 Tage im Jahr 2009 haben buchstäblich meine Perspektive verändert. In vielerlei Hinsicht. Seitdem hat mich New York in seinen Bann gezogen. Das Landei aus Amorbach hat Blut geleckt! Im Laufe der letzten Jahre verbrachten wir immer wieder viel Zeit dort. Unsere Besuche waren inspirierend und bewusstseinserweiternd. New York hat 500 Galerien, 200 Museen und 40 Broadway-Theater. Nirgendwo sonst werden so viele Sprachen gesprochen. Wahrscheinlich sogar odenwälderisch. Um das alles zu sehen, darf man wahrscheinlich tatsächlich niemals schlafen.

          Mehr und mehr wuchs in mir der Wunsch, auch mal eine Zeitlang zum echten New Yorker zu werden. Und so beschlossen wir schließlich, unsere Koffer zu packen, und ein ganzes Jahr in dieser faszinierenden Stadt zu leben. Anfang Juli startet unser New Yorker Abenteuer. Was uns dort erwarten wird? Ich habe keine Ahnung. Aber ich lasse Sie es in dieser Kolumne wissen ...

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