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Körperhygiene im 18. Jahrhundert : Eine Sauciere, die unter dem Rock verschwindet

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Made in Höchst: Der süße Blütenduft aus den Potpourri-Vasen sollte menschliche Ausdünstungen überdecken. Bild: Waldner, Amadeus

Porzellan für menschliche Bedürfnisse: Im Höchster Porzellanmuseum wird gezeigt, wie Körperhygiene zur Zeit des Sonnenkönigs funktionierte.

          Wer in diesen Tagen U-Bahn fährt, der weiß, dass der Kampf gegen Körpergeruch noch immer nicht gewonnen ist. Mit welchen Waffen er im 18. Jahrhundert geführt wurde, können Besucher im Höchster Porzellanmuseum anhand einiger Toilettenartikel erfahren. „Die geringe Zahl der Exponate ist für sich schon aussagekräftig“, sagt Laura Grossbach, die unter dem Titel „Mode, Mouche und Puderdosen“ durch die Ausstellung im Kronberger Haus führt.

          Sauberkeit orientierte sich zu Zeiten Ludwig des XIV. nämlich an anderen Standards als heute. Wenn selbst der Sonnenkönig nur zweimal im Leben ein Bad genommen hat, warum hätte sich da ein anderer öfter waschen sollen? Also tat man alles, um den üblen Eigengeruch zu überdecken; etwa mit Hilfe von Potpourri-Vasen aus kostbarem Porzellan. Die mit Putten und gewundenen Blumengirlanden verzierten und mit Gold geschmückten Gefäße waren die Duftbäume des 18. Jahrhunderts. Gefüllt mit wohlriechenden Blüten, verbreiteten sie einen starken süßlichen Duft im Salon. Zwischenmenschlicher Umgang wäre sonst eine Zumutung gewesen angesichts der Ausdünstungen, die unter Perücken und ausladenden Röcken hervorkrochen.

          Als Geschirr getarnte Toilettenartikel

          Die Röcke boten aber auch Vorteile, etwa, wenn die Frauen am Hof Ludwig des XIV. dem Hofpredigers Louis Bourdaloue lauschten. Zwischendrin auf das Stille Örtchen zu verschwinden sei nämlich undenkbar gewesen, sagt Grossmann. Daher führten die Damen eine Art Nachttopf mit sich, der unbemerkt seinen Weg unter den Rock fand, so dass die Damen sich an Ort und Stelle erleichtern konnten. In der Form glich das Porzellangefäß einer Sauciere und wurde angeblich vom Volksmund nach dem Hofprediger „Bourdalou“ genannt.

          Das Höchster Exemplar ist mit purpurnen Landschaftsbildern und Rocaille-Verzierungen geschmückt und täuscht so über seinen Zweck hinweg. Viele Besucher würden das Gefäß denn auch für Tischgeschirr halten, erzählt Grossmann. Ähnlich könnte man in dem bauchigen Spucknapf wegen seines golden umrankten Halses eine Karaffe vermuten. Jedoch standen solche Spucknäpfe vor rund 300 Jahren in zahllosen Wohnungen bereit, damit Raucher und Freunde des Kautabaks ihr Sputum nicht in der nächstgelegenen Ecke hinterließen.

          All diese Objekte zeigen, dass Porzellan nicht immer nur auf dem Esstisch zum Einsatz kam. Es war ein Luxusprodukt, und das wollte man auch zeigen. Das kostbare Material sogar für die Ausscheidungen des eigenen Körpers zu beanspruchen, führte vor: Ich kann es mir leisten.

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