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Karl-Heinz Körbel im Gespräch : „Diese Mannschaft ist zu besonderen Dingen fähig“

  • -Aktualisiert am

Gibts doch gar nicht? Karl-Heinz Körbel und die Eintracht wissen es besser. Bild: Imago

Der Eintracht-Rekordspieler Karl-Heinz Körbel spricht im Interview über gewarnte Bayern, die Chancen, das Team von Trainer Niko Kovac zu schlagen, und Ergebnisse, die es eigentlich nicht geben kann.

          3 Min.

          Vor einem Jahr machten Sie im Interview mit dieser Zeitung der Eintracht Mut, an den Pokalsieg über die Bayern zu glauben. Sie kündigten sogar an, 50 Euro auf den Gewinn der Trophäe zu setzen. Diesmal würde der Eintracht im letzten Saisonspiel ein Unentschieden genügen, um wieder in die Europa League einzuziehen. Setzen Sie wieder Geld auf Ihren Klub?

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Das muss ich mir noch überlegen. Ich habe am vergangenen Freitag die Original-Pokal-Trophäe nach Berlin zurückgebracht. Beim Empfang habe ich gespürt, wie groß der Respekt der Bayern vor der Eintracht geworden ist. Giovane Elber und Javi Martinez, die übrigens beide unglaublich sympathisch sind, sprachen voller Anerkennung über unsere Leistungen in dieser Saison, vor allem in der Europa League. Dann sind die Bayern natürlich durch unseren Pokalsieg gewarnt. Vor einem Jahr dachten sie, das wird schon irgendwie laufen, jetzt wissen sie, dass sie etwas dafür tun müssen, die Eintracht zu besiegen.

          Ein Nachteil?

          Das kann sein, muss es aber nicht. Wir haben gegen Düsseldorf und Augsburg gesehen, dass die Bayern in dieser Saison nicht immer souverän bleiben, wenn sie zu zweifeln beginnen. Dagegen ist jedes Team der Frankfurter Eintracht in jeder Generation in der Lage, die Bayern zu schlagen, so wie im Pokalfinale.

          Das ist noch nicht einmal nötig. Ein Unentschieden würde den Münchnern zur Meisterschaft genügen, und den Frankfurtern mindestens die Europa League bringen. Erwarten Sie einen Nichtangriffspakt?

          Das kann ich mir nicht vorstellen, dass Trainer Niko Kovac sagt, wir spielen auf Unentschieden. Das ist viel zu gefährlich. Die Bayern wollen unbedingt gewinnen, Robben und Ribery einen perfekten Abschied bereiten und nach einem überzeugenden Heimauftritt ausgelassen die Meisterschaft feiern. Vielleicht gehen sie in den letzten zehn Minuten vom Gas, wenn es noch Unentschieden steht, aber ansonsten wird es keine Geschenke von ihnen geben. Dazu haben wir sie in den letzten Jahren zu oft geärgert. Niko Kovacs Herz hängt sicher noch an der Eintracht, aber es geht auch um seine Position. Wenn er nicht mit einem überzeugenden Sieg Meister wird, beginnt doch gleich wieder die Kritik an seiner Person. Wir müssen uns darauf einstellen, dass uns die Bayern abschießen wollen.

          Wie kann die Eintracht das verhindern?

          Dazu bedarf auf jeden Fall einer überragenden Torwartleistung. Kevin Trapp muss es Oka Nikolov nachmachen, der einmal gefühlt 100 Torschüsse der Münchner abwehrte und ein 0:0 rettete. Und ansonsten muss die Mannschaft diese Mentalität beweisen und diese Leidenschaft entwickeln, die sie in dieser Saison so oft ausgezeichnet hat. Wir haben ein besseres Team als vor einem Jahr in Berlin, und es zeichnet eine unglaubliche Geschlossenheit aus. Es ist möglich, die Bayern zu schlagen, doch es muss alles passen.

          Kann die ausgelaugte Mannschaft überhaupt in der Lage sein, ihre Leistungsfähigkeit auf den Platz zu bringen?

          Es lässt sich nicht wegdiskutieren, nach Chelsea – aber auch schon davor – fehlte die geistige Frische. Wenn ich sehe, wie vor dem ersten Gegentor gegen Mainz Hasebe der Ball über den Kopf hinweg gehoben wurde, das hätte er in normaler Verfassung niemals mit sich geschehen lassen. Bei vielen hat man gegen Mainz nach 20 Minuten gesehen, der Kopf ist zu. Das heißt aber nicht, dass das gegen die Bayern auch der Fall sein wird. Vier, fünf Tage Pause sollten genügen, um besser zu regenerieren. Diese Mannschaft ist zu besonderen Dingen fähig. Ich hätte zum Beispiel nie geglaubt, dass die Eintracht nach dem 1:6 in Leverkusen dem Weltklasseteam von Chelsea noch mal so paroli bieten könnte.

          Aber irgendwann einmal ist der Tank leer oder nicht?

          Schon, aber wenn man einen Erfolg erringen kann wie die Eintracht in München, dann vergisst man das. Die Eintracht müsste in Führung gehen oder darf zumindest nicht schnell in Rückstand geraten, dann kann das kleine Wunder geschehen. Natürlich darf die Abwehr nicht solche dummen Fehler begehen wie gegen Mainz. Das Gute ist schon mal, dass es keine Verlängerung geben kann.

          Wie sehr hängt den Eintracht-Profis nach, dass sie so viele Chancen vergeben hat, die Champions-League-Qualifikation frühzeitig zu sichern?

          Ich glaube, es hängt ihnen mehr nach, dass sie das Finale in Baku so unglücklich verpasst haben. Die Bundesliga-Konkurrenten haben ja auch viel liegen lassen. Ich habe mir vor drei Wochen die Tabelle und den Spielplan angeschaut und Hochrechnungen angestellt. Heute ärgere ich mich darüber, verschwendete Zeit. In der Endphase der Saison gibt es im Titel- und Abstiegskampf immer Ergebnisse, die es eigentlich nicht geben kann. Ich hatte fast den Eindruck, keiner wollte die Eintracht überholen.

          Falls die Eintracht am Ende mit leeren Händen dasteht, wie würden Sie die Saison dann bewerten?

          Die Eintracht hat eine Top-Saison gespielt, völlig egal, wie sie endet. Ich habe das gerade bei der Pokal-Rückgabe in Berlin gespürt, da haben mir wildfremde Leute auf die Schulter geklopft und ihren Respekt für die Eintracht ausgedrückt. Wir haben die ganze Bundesliga in Europa vertreten, und das in hervorragender Art und Weise. Jetzt können wir die nächste Reise nach Europa noch verlieren, aber nicht mehr das Renommee, das wir gewonnen haben. Schaffen wir jedoch noch den Einzug in die Champions League, dann müssen sie für uns wieder den Römer aufschließen.

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