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Laschet, Merz oder Röttgen? : Koch und Bouffier uneins über künftigen CDU-Chef

Ausgezeichnet: Der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU, l) erhielt 2017 die Wilhelm-Leuschner-Medaille von seinem Nachfolger Volker Bouffier (CDU). Bild: dpa

Die Frage, wer die Bundespartei anführen soll, spaltet die hessische CDU in zwei Lager. Dabei stehen die Unterschiede der Kandidaten ebenso im Vordergrund wie strategische Aspekte.

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          „Wir könnten jetzt eine Empfehlung beschließen, aber die Leute machen sowieso, was sie wollen“, meinte ein Mitglied des Landesvorstandes der hessischen CDU, als die jüngste vertrauliche Sitzung ihrem Ende entgegenging. Ungefähr eine Stunde lang hatte man über die Personalfrage debattiert, auf die auch 88 Hessen in geheimer Abstimmung eine Antwort geben müssen, wenn am 25. April in Berlin 1001 Delegierte zum Bundesparteitag zusammenkommen.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          In Hessen wünscht sich etwa eine Hälfte den früheren Chef der Unionsfraktion im Bundestag, Friedrich Merz, als Vorsitzenden der Bundespartei. Die anderen sprechen sich jedenfalls hinter vorgehaltener Hand für den nordrhein-westfälischen Regierungschef Armin Laschet aus. Kaum jemand äußert sich zugunsten des Bundestagsabgeordneten Norbert Röttgen.

          Klare Unterschiede der Kandidaten

          Die Namen der Kandidaten wurden ohnehin kaum genannt, als sich die etwa 30 Angehörigen des Führungsgremiums in einem Konferenzsaal des Hessischen Landtages mit der Personalie auseinandersetzten. „Jeder weiß ja, wofür ich stehe“, meinte etwa Roland Koch, der frühere Parteichef und Ministerpräsident. Er hatte schon für Friedrich Merz geworben, als dieser sich im Dezember 2018 mit Annegret Kramp-Karrenbauer ein Kopf-an-Kopf-Rennen um das Spitzenamt der Bundespartei geliefert hatte. Auch am Freitag war es Koch, der das Thema ansprach. So berichten es mehrere Teilnehmer der Sitzung.

          Die anderen Anhänger des Sauerländers brachten ihre persönliche Unterstützung zum Ausdruck, indem sie für „eine Kurskorrektur“ oder „eine breitere programmatische Aufstellung“ votierten. Die unterschiedlichen Profile sind so klar, dass man auch für Laschet eintreten konnte, ohne seinen Namen nennen zu müssen. Stattdessen forderte man einfach „Kontinuität“. Auch Bouffier nahm den Namen des Aacheners kaum in den Mund. Stattdessen äußerte er sich in der ihm eigenen Ausführlichkeit vor allem zu den strategischen Aspekten der Entscheidung.

          Der künftige Parteichef der Bundespartei müsse auch der nächste Kanzlerkandidat der Union sein, so Bouffier, der in Berlin als einer der stellvertretenden CDU-Bundesvorsitzenden über einiges Gewicht verfügt. Entscheidend sei die Frage, wer von den heutigen Aspiranten im Herbst 2021 an der Spitze der Union mit den besseren Aussichten in die Bundestagswahl gehe. Bouffier glaubt, dass Laschet die besseren Karten hätte.

          Kein Getreuer von Angela Merkel

          Die verbreitete Einschätzung, dass er sich in dieser Personalfrage abermals als Getreuer Merkels erweise, ist allerdings inzwischen überholt. Nach dem Motto „In Gefahr und großer Not bringt der Mittelweg den Tod“ hatte Bouffier sich im Landtagswahlkampf 2018 klar auf die Seite der Bundeskanzlerin gestellt. Und danach wünschte er sich Kramp-Karrenbauer als neue Parteichefin.

          Aber als das weibliche Führungsduo auf der Berliner Bühne ein ums andere Mal ausrutschte, unterließ der Hesse es, seine Parteifreundinnen zu verteidigen. Dass die angestrebte Transformation an der Spitze der Bundespartei nicht funktionierte, erkannte auch er.

          Wenn er jetzt mit Laschet trotzdem einen Gefolgsmann Merkels unterstützt, spielt die Kanzlerin dabei keine allzu große Rolle. Laschet gehörte schon als Bundestagsabgeordneter zu Zeiten Helmut Kohls der sogenannten „Pizza-Connection“ an, einem Gesprächskreis von jungen Politikern der CDU und der Grünen. Das passt zu der Koalition, die Bouffier in Hessen geschmiedet hat. Sie wird dadurch indirekt stabilisiert.

          Die Schwäche des Friedrich Merz

          Außerdem teilt der hessische Ministerpräsident die Einschätzung, die seine Parteifreunde derzeit in Berlin zum Besten geben. Danach ist Merz nicht in der Lage, souverän mit den massiven Angriffen umzugehen, denen er im Fall einer Kanzlerkandidatur wohl stärker ausgesetzt wäre als Laschet. Trotzdem brauche die CDU auch die „Merz-Leute“, betonte Bouffier im Landesvorstand.

          Dass sie sich an die CDU binden ließen, wenn ihre Positionen über Jahrzehnte hinweg immer wieder überstimmt würden, bezweifelten die Anhänger des Sauerländers. Dazu zählen keineswegs nur Konservative wie etwa der Rheingauer Bundestagsabgeordnete Klaus Willsch, sondern auch eine Reihe von hessischen Unionspolitikern, die Merz im Dezember 2018 ihre Unterstützung nach eigenem Bekunden noch versagt hatten.

          Dies hängt damit zusammen, dass Laschets Bündnis mit Gesundheitsminister Jens Spahn von manchem Hessen als unglaubwürdiges taktisches Manöver betrachtet wird. Jeder wisse doch um die großen inhaltlichen Differenzen der beiden, heißt es.

          Berichte, Bouffier habe zunächst ein Votum zugunsten von Laschet herbeiführen wollen, darauf aber verzichtet, als sich eine knappe Mehrheit für Merz abgezeichnet habe, wiesen mehrere Teilnehmer der Sitzung zurück. Der Vorstand will sich mit der Personalentscheidung noch einmal intensiv befassen. Dass es dann doch noch zu einer Empfehlung für die Delegierten komme, wird neuerdings nicht mehr ausgeschlossen. Das letzte Wort ist also noch lange nicht gesprochen.

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