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Kneipenkultur : Wanderer des Nachtlebens

Findet Orte, die für Clubbing und Kultur geeignet sind, durch reinen Zufall: Hans Romanov. Bild: Skowronek, Agata

„Nachts was losmachen“ nennt Hans Romanov seine Passion. Im Architekturmuseum blickt er zurück auf 25 Jahre Kneipenkultur.

          2 Min.

          In Berlin war das Bier süßer. Trotzdem zog Hans Romanov 1985 mit Mitte Zwanzig aus der damals noch ummauerten Stadt nach Frankfurt. Am Main fand der gelernte Masseur schon bald seine Mission: „Nachts was losmachen“ nennt er das, womit er als einer der Ersten anfing und bis heute nicht aufgehört hat. Er eröffnete Kneipe um Kneipe, Klub um Klub, schloss hier einen Laden, machte dort den nächsten auf - ein Wanderer des Nachtlebens.

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Rückblick auf 25 Jahre Nachtleben, den Romanov in der Gesprächsreihe „Stadt plus“ im Architekturmuseum hält, gerät streckenweise zur Slapstick-Nummer. Zwischen einem Overhead-Projektor und einem Laptop irrt er hin und her, legt Folien falschherum auf, vergisst sodann, den Beamer auszuschalten, so dass die Zuhörer seine Notizen mitlesen können, die vor der Orthographie nicht allzu viel Respekt haben. Der Vortrag hat etwas von einem Referat, bei dessen Vorbereitung dem Referenten auf einmal die Zeit davongaloppierte. So muss er eben improvisieren. Das macht Romanov allerdings so liebenswert chaotisch, dass ihm kaum einer der zahlenden Zuhörer böse ist. Um zu belegen, welche Architektur ihn begeistert, zeigt Romanov schrammelige Orte mit dem Charme des Unfertigen: Sie liegen aber nicht in Frankfurt, sondern, zufälligerweise, in Moçambique. Wahrscheinlich, weil ihm ausgerechnet dieser Bildband in die Hände fiel.

          „Mein Fahrrad bringt mich schon zum nächsten Ort“

          Als Romanov unter die Gastronomen ging, war die Stadt nachts tot: „Die erlaubten Nachtklubs waren damals an weniger als fünf Fingern abzählbar“, erinnert er sich. Er änderte das schnell. „NoName“ hieß 1987 sein erstes Lokal im Bahnhofsviertel, wo er den „Thursday’s Child Night Club“ veranstaltete. Abends wurde das plüschige Animierlokal zur Szene-Bar, die Studenten und Künstler anzog. Bald überwarf er sich jedoch mit dem Betreiber - und ging auf Wanderschaft.

          Es folgten Läden mit Namen wie „Nouvelle“, „Maxim“, „Romanticabar“, „Europa-Intimbar“, „Sankt-Tropez-Bar“, „Bukovina-Klub“, die „Studiobar“ an der Katharinenkirche, der „Ostklub“ an der Hanauer Landstraße, das „Rotari“ in Offenbach, der Kunstverein am Römer. Bis der passionierte Ruderer vor vier Jahren auf jenen Ponton an der Alten Brücke stieß, den er zum „Yachtklub“ umbaute. „Herrlich“, denn im Winter hatte er fortan frei: „Wie bei einer italienischen Eisdiele.“ Der „Yachtklub“ ist die vorerst letzte seiner Kneipen, die ihm vor ein paar Wochen vor der Nase weggekauft wurde, für 300.000 Euro. Nun wird es Zeit, dass sich die Spürnase wieder auf die Suche macht: „Mein Fahrrad bringt mich schon zum nächsten Ort“, sagt er gelassen. Wie aber findet man den perfekten Ort? „Fragen Sie mich nicht. Man sieht einen Raum und denkt: Oh, geil.“

          Mehr Angebot macht es für ihn aber auch schwieriger

          Der Vortrag ist so ziellos wie eine durchzechte Nacht. Romanov, der nicht zum Reden geboren wurde, erzählt zwar sympathisch, aber so umständlich und fahrig, dass am Ende ein Zuhörer etwas ratlos um die Botschaft der Ausführungen bittet. Die gebe es freilich nicht, sagt der König der Subkultur, der allerdings nicht nur auf „Party, Party, Party“ reduziert werden will. Immerhin gab es ja auch Ausstellungen, Vorträge und Modenschauen in seinen Räumen.

          Vielleicht gibt es aber doch eine Botschaft: Früher gab es wenige von seiner Sorte. Annette Gloser mit der „Galerie Fruchtig“ war schon da, die wahre Pionierin des Ostends. „Aber zu unserer Zeit war die Hanauer noch stockduster. Da war weit und breit nichts“, erinnert sich Romanov. Heute bespielten mehr junge Leute die Stadt. Das sei eine schöne Entwicklung. Mehr Angebot macht es für ihn aber auch schwieriger. Hinzu kommt der notorische Sanierungseifer in Frankfurt: „Es gab früher mehr dreckige Orte.“

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