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Frankfurt-Marathon : Laufende Touristen, die gerne wiederkommen dürfen

  • -Aktualisiert am

Bereit für Sonntag: Cindy Nkomo aus Südafrika reist für den Marathon extra nach Frankfurt. Die Stadt aber kennt sie schon. Bild: Cindy Nkomo / privat

Der Frankfurt-Marathon ist im Ausland beliebt. Etwa 30 Prozent der knapp 16 000 angemeldeten Starter reisen für den Lauf extra nach Deutschland. Erreicht werden sie auch durch Anzeigen.

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          Die größte Gruppe kommt aus Frankreich, doch auch Sportler aus Weißrussland, Indien oder Madagaskar zieht es nach Frankfurt. Viele der mehr als 4500 ausländischen Starter nehmen dieser Tage mehrere tausend Kilometer lange Flugreisen in Kauf, um am Sonntag den Frankfurt-Marathon zu laufen. An ihm nehmen Sportler aus rund 100 Staaten teil.

          Eine von mehr als einem Dutzend aus Südafrika ist Cindy Nkomo. Sie habe erst 2013 mit dem Laufsport begonnen, sagt die 38 Jahre alte Frau. Doch muss sie ein besonderes Talent sein, denn schon 2014, so erzählt sie, hat sie den renommierten Comrades-Marathon, einen rund 88 Kilometer langen Lauf der Ultra-Distanz, in Südafrika absolviert. Den schnellen Fortschritt führt Nkomo auf die guten Wetterbedingungen in Südafrika zurück. Dort herrsche das ganze Jahr über gutes Laufwetter. Der Frankfurt-Marathon ist nun ihr erstes Rennen im Ausland.

          Glühwein in guter Erinnerung geblieben

          Dass es Marathonläufer ins Ausland ziehe, sei typisch, sagt die Kölner Sportwissenschaftlerin Kirstin Hallmann. „Früher hat man Briefmarken gesammelt, heute sind es Marathons.“ Sportler, die die wichtigsten Rennen in ihren Heimatländern bestritten hätten, reisten danach oft in andere Länder. Beim Frankfurt-Marathon ist der Anteil der Ausländer in den vergangenen Jahren gewachsen: Anfang des vergangenen Jahrzehnts betrug er noch etwa 15 Prozent, mittlerweile reisen rund 30 Prozent der knapp 16 000 Starter extra für den Marathon nach Deutschland. Nicht mit eingerechnet sind dabei die Profisportler, die der Veranstalter für das Elitefeld unter Vertrag genommen hat. Die Spitzenläufer und das flache Streckenprofil sorgen dafür, dass der Marathon den Ruf eines schnellen Rennens genießt.

          Dank der internationalen Topläufer darf Frankfurt neben Berlin als einzige deutsche Stadt auch das „Gold-Label“ des internationalen Leichtathletikverbands IAAF für sich beanspruchen. Einen hervorgehobenen Status unter diesen Gold-Rennen haben nur sechs, darunter die renommierten Marathons von New York, London und Berlin. Dort werben die Frankfurter mit einem eigenen Stand für ihr Rennen, darüber hinaus schalten sie Anzeigen in Fachzeitschriften und unterhalten sogar eine japanischsprachige Facebook-Seite.

          Auch Nkomo aus Johannesburg wurde durch eine Anzeige auf den Frankfurt-Marathon aufmerksam. Die Stadt kannte sie aber schon. Für die Fluggesellschaft South African hat sie eine Zeitlang als Flugbegleiterin gearbeitet. Bei ihren Aufenthalten in Frankfurt hat sie das Stadtbild schätzen gelernt, auch der Glühwein ist ihr in guter Erinnerung geblieben. Zudem konnte sie sich hier direkt für das Rennen anmelden. In London und New York dagegen muss man an einer Lotterie teilnehmen, um einen der begehrten Startplätze zu bekommen, oder man bucht ein Komplettprogramm bei einer Reiseagentur.

          Sein 16. Marathon in Frankfurt

          Zum Ziel hat Nkomo sich am Sonntag gesetzt, die 42 Kilometer in weniger als vier Stunden zu meistern. Sie sei hauptsächlich in Frankfurt, um Spaß zu haben, und verbinde die Reise mit einem Ausflug nach München am Montag. Noch vor dem Renntag, am Samstagmorgen, will sie in traditioneller Kleidung der südafrikanischen Volksgruppe der Zulu am Brezellauf teilnehmen, einem fünf Kilometer langen, lockeren Vorlauf, an dessen Ende die Läufer Brezeln essen können.

          Feste Startnummer: Robert Lux aus Luxemburg nimmt in diesem Jahr zum 16. Mal am Frankfurt-Marathon teil.
          Feste Startnummer: Robert Lux aus Luxemburg nimmt in diesem Jahr zum 16. Mal am Frankfurt-Marathon teil. : Bild: Robert Lux / privat

          Mit weiteren Angeboten versuchen die Organisatoren des Frankfurt-Marathons, Sportler immer wieder in die Stadt zu locken. Robert Lux etwa, der in Luxemburg lebt, ist eines von rund 750 Mitgliedern des „Frankfurt Marathon Club“. Nach zehn Teilnahmen durfte er sich deshalb eine eigene, feste Startnummer aussuchen. Der Dreiundfünfzigjährige arbeitet in der Versicherungsbranche, er ist zusammen mit einem halben Dutzend Mitstreitern, die sich vom Lauftreff kennen, nach Frankfurt gekommen. Frankfurt sei sein erster Marathon gewesen, und er sei noch immer sein liebster. Seine Frau begleitet ihn, er ist zum 16. Mal für den Lauf in der Stadt. Seine Rekordzeit liege bei drei Stunden und 50 Minuten, Vorgaben für das Rennen wolle er sich für Sonntag aber nicht setzen, sagt Lux. Zu groß sei dieses Jahr sein Trainingsrückstand. Abseits der Strecke aber steht der Plan: Lux will shoppen und ins Museum.

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