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Kulturdenkmal Eberbach : Die Klosterstiftung wird bald zum Hotelier

Kulturdenkmal Eberbach: Die Sanierung des Klosters schreitet voran. Bild: Cornelia Sick

In fünf Jahren soll die Generalsanierung des Kulturdenkmals zu Ende gehen. Die Gastronomie im Kloster Eberbach steht schon 2020 vor einer Zäsur.

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          Die Basilika von Kloster Eberbach ist in diesen ruhigeren Wintermonaten maßgeblich in der Hand von Handwerkern und Archäologen. Das maßgeschneiderte Gerüst wandert in kleinen Schritten durch das Hauptschiff, damit die Decke behutsam saniert werden kann, während im südlichen Seitenschiff der Fußboden komplett entfernt wurde. Nach jahrelangen Vorplanungen und mehrfachen Verzögerungen hat im März dieses Jahres endlich die Innensanierung der säkularisierten Klosterkirche begonnen. Das Innere der Basilika ist neben Ostflügel und Klausur der letzte große Brocken der 1986 begonnenen Generalsanierung, den das Land zu stemmen hat. Im Jahr 2024 soll die Sanierung nach dem in der Vergangenheit mehrfach revidierten Zeitplan beendet sein und dann rund 130 Millionen Euro gekostet haben. Rund 100 Millionen wurden schon ausgegeben.

          Oliver Bock
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          In der Basilika wird mit Rücksicht auf die Nutzung als bedeutende Spielstätte des Rheingau Musik Festivals in vier Bauabschnitten bis 2023 gearbeitet werden. Die Kosten sind bislang auf rund acht Millionen Euro veranschlagt. Skepsis ist nach den Erfahrungen mit früheren Projekten aber im Hinblick auf den Zeitplan durchaus angebracht, auch wenn Stiftungsvorstand Martin Blach auf den eindeutigen Bauzeitenplan des Landes verweist. Doch immer, wenn im Kloster in oder außerhalb der Gebäude auch nur wenige Zentimeter tief gegraben wird, dann öffnet sich ein Fenster in die Vergangenheit, in das die Archäologen ausgiebig blicken wollen. Im Seitenschiff der Basilika wurden Reste des hochgotischen Bodenbelags gefunden, ebenso Grabgrüfte und Fundamente von Seitenaltären. Das alles will gesichert und dokumentiert werden.

          Nicht anders erging es der Stiftung im großen Klosterhof, der im Frühjahr fertiggestellt wird. Dort war es unter anderem die Entdeckung einer Latrine, die Teil eines ausgeklügelten Entwässerungssystems im Kisselbachtal war. Nicht nur die Bautätigkeit der Mönche über Jahrhunderte, auch die zeitweise Nutzung als Gefängnis, Hospital und Psychiatrie sowie als Weingut haben im Boden ihre Spuren hinterlassen.

          Bedeutender Tagungs- und Kongressort

          Der Klosterhof wird nach dem Ende seiner rund 1,5 Millionen Euro teuren Sanierung aber ein spektakuläres Schmuckstück, dessen ist sich Blach schon heute sicher. Der 6000 Quadratmeter große Platz werde „der größte seiner Art im Rheingau“, sagt Blach. Das Rheingau Musik Festival hat schon Interesse bekundet, dort einmal Freiluftveranstaltungen für bis zu 3000 Gäste auszurichten. Fragt sich nur, wo die alle parken wollen. Aber das ist nur eine der ungelösten Fragen im Kloster, auf die in den kommenden Jahren eine befriedigende Antwort gefunden werden muss.

          Noch wichtiger wäre sie beim Thema Übernachten. Das Kloster ist ein bedeutender Tagungs- und Kongressort mit einem vergleichsweise armseligen Angebot an Übernachtungsmöglichkeiten. 28 Zimmer reichen bei weitem nicht aus, weshalb die Stiftung immer wieder Absagen möglicher Kunden hinnehmen muss und im Tagungsgeschäft ihre Chancen nicht wahrnehmen kann. Denn der Slogan „Tagen für einen guten Zweck“, nämlich zum Erhalt eines Kulturdenkmals von europäischem Rang, zieht zwar durchaus in einer Zeit, in der Nachhaltigkeit Teil der Unternehmensphilosophie ist. Doch weite Wege zwischen Tagungsstätte und Hotelzimmer sind wenig attraktiv.

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