https://www.faz.net/-gzg-agnbz

Ausbau von Kloster Eberbach : Mehr Betten benötigt

Klare Kanten: Blick auf 2 der 3 neuen Hotelgebäude für das Kloster Eberbach nach dem Entwurf der Baseler Architekten Backes Zarali. Bild: Simulation Zarali Architekten

Kloster Eberbach in Eltville benötigt dringend mehr Hotelzimmer. Wie sie behutsam gebaut werden könnten, zeigt nun ein Architektenwettbewerb. Wie die Unterstützung vom Land Hessen aussehen wird, ist hingegen noch offen.

          3 Min.

          Kloster Eberbach ist ein Besuchermagnet, aber als Tagungs- und Seminarstandort ist es wegen seines Mangels an Übernachtungsmöglichkeiten nur eingeschränkt attraktiv. Viele Anfragen müssen abschlägig beschieden werden, weil die 22 Zimmer im Gästehaus und weitere sechs über der Klosterschänke einfach nicht genug sind. Sie reichen nicht einmal für eine größere Hochzeitsgesellschaft. Der Klosterstiftung entgehen so Umsätze in Millionenhöhe.

          Oliver Bock
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Doch weil das Kloster ein Kulturdenkmal von europäischem Rang ist und weil jede Veränderung in der Region argwöhnisch beobachtet wird, tat sich die Landesregierung schwer damit, eine Hotelerweiterung in Betracht zu ziehen. In einigen Jahren allerdings soll die Stiftung Kloster Eberbach die ehemalige Zisterzienserabtei aus eigener Kraft unterhalten, und dazu reicht die bisherige Finanzkraft bei Weitem nicht aus. Auch diese Zwangslage hat mit dazu beigetragen, dass im vergangenen Sommer in Abstimmung mit den Denkmalschutzbehörden endlich ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben wurde, der klären sollte, ob und wo auf dem 14 Hektar großen Areal mehr Zimmer geschaffen werden könnten.

          „Behutsamer und stilvoller“ Neubau

          Dass sich für den Wettbewerb nicht weniger als 62 Architekturbüros interessierten und immerhin 43 in die zweite Ausscheidungsrunde kamen, zeigt nach Ansicht von Ministerin Priska Hinz (Die Grünen), der Vorsitzenden des Stiftungskuratoriums, die europaweite Bedeutung des Klosters. Nicht weniger erstaunlich: Das Preisgericht unter dem Vorsitz von Arno Lederer kam zu der einstimmigen Empfehlung, den Entwurf des Baseler Architekturbüros Brackes Zarali zu verwirklichen. Dessen Vision stach so weit heraus, dass dahinter kein zweiter Platz, sondern nur zwei dritte Plätze vergeben wurden.

          Allen Entwürfen war ein Hotelstandort in Verlängerung des bestehenden Gästehauses – eines ehemaligen Mühlen- und Stallgebäudes – hin zur nördlichen Klostermauer gemein. Das Gästehaus wird in die Planung integriert. Der Siegerentwurf sieht 58 zusätzliche Zimmer in drei miteinander verbundenen, aber versetzt angeordneten Gebäuden vor, die jeweils kleiner als das vorhandene Hotelgebäude sind. Im Inneren überzeugt der Entwurf laut Preisgericht „mit einer klaren Struktur“. Er biete „Aufenthaltsqualität mit vielfältigen Blickbeziehungen in interne Höfe, in die umgebende Landschaft und in die Klosteranlage“. Die Anordnung des Restaurants und der Konferenzräume sei schlüssig, der Zuschnitt der Hotelzimmer ansprechend. Vor allem aber fügten sich die Neubauten „zurückhaltend und selbstverständlich“ in die Anlage ein.

          Ein „behutsamer und stilvoller“ Neubau ist auch das Anliegen von Ministerin Hinz, die das Projekt „gemeinsam mit der Region“ realisieren will. Diese Ankündigung ist eine Reaktion auf die schmerzhafte Erfahrung des Landes mit der Steinbergkellerei, gegen die es im Rheingau heftige Proteste gegeben hatte. Daher verspricht auch Stiftungsvorstand Martin Blach eine große Portion Transparenz.

          Springt Hessen ein?

          Hinter den Plänen steht auch der Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege, Markus Harzenetter. Der Preisträger erfülle die Erwartungen an eine sensible Annäherung an die Frage, welche Nutzung im Kloster überhaupt möglich sei. Harzenetter lobt die „klare zeitgenössische Architektursprache“, die Ausdruck eines Verständnisses für die Klosteranlage sei. Dass mit der „Alten Schule“ ein Gebäude aus der jüngsten Klostergeschichte dem Hotelbau weichen muss, stört Harzenetter nicht, weil dieses nicht denkmalwürdig sei.

          Laut Blach beginnt nun ein offener, transparenter Prozess. Erst im Dezember wird sich das Stiftungskuratorium mit dem Ergebnis des Wettbewerbs befassen, für den knapp 60.000 Euro ausgelobt waren. Geprüft werden muss auch, ob sich die Investition in vermutlich zweistelliger Millionenhöhe auch tatsächlich rechnet. Weder Hinz noch Blach nannten deshalb konkrete Termine für die nächsten Schritte, noch gaben sie Hinweise auf mögliche Kosten. Zu den offenen Fragen gehört auch, ob das Land als Bauherr und Finanzier auftreten wird oder ob das die Stiftung stemmen kann und will. Blach traut der von ihm geführten Stiftung durchaus zu, die Aufgabe als Bauherrin zu schultern, ohne die Dienste der Hessischen Staatsbauverwaltung in Anspruch zu nehmen. Die Hotelerweiterung gilt aber nicht nur wegen der Nachfrage als unverzichtbar, sondern auch weil die Stiftung nicht in der Lage scheint, nach Abschluss der 1986 begonnenen Generalsanierung mit ihren Einnahmen allein den Unterhalt der Gesamtanlage dauerhaft sicherzustellen.

          Die Wettbewerbsarbeiten werden noch bis zum 17. Oktober täglich von 9 bis 19 Uhr im Mönchsdormitorium des Klosters gezeigt.

          Weitere Themen

          Stumpfeldt will Chef werden

          Frankfurter Grüne : Stumpfeldt will Chef werden

          Am Samstag wird bei den Frankfurter Grünen neu gewählt. Götz von Stumpfeldt, selbst erst seit zweieinhalb Jahren Mitglied im Kreisververband, ist der erste, der Ambitionen auf das Amt des Parteisprechers anmeldet.

          Topmeldungen

          Stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen Oliver Krischer warnt vor dem Zurückbleiben Deutschlands im Bereich Klimatechnik.

          Koalitionsvertrag : „Die Ampel macht die Energie billiger“

          Oliver Krischer erwartet das Kohle- und Verbrenner-Aus definitiv 2030 und sieht keine Zukunft für Nord Stream 2. Der grüne Fraktionsvize warnt vor „Green Leakage“: China könnte Deutschland die neueste Klimatechnik abluchsen.
          Ein Mitarbeiter zeigt in einer Corona-Abstrichstelle einen Abstrich für einen Corona-Test.

          Corona-Liveblog : Omikron-Fall in Leipzig ohne Bezug zum Ausland

          Braun nach Karlsruher Urteil: „Wir brauchen jetzt eine Notbremse“ +++ Moderna-Chef: Impfstoffe bei Omikron wohl weniger wirksam +++ Biontech liefert früher Vakzin-Nachschub +++ Entwicklungen zur Pandemie im Corona-Liveblog.
          Insgesamt geht es für Maxwell um sechs Anklagepunkte, darunter den Handel mit Minderjährigen zum Zwecke illegaler sexueller Kontakte.

          Epstein-Vertraute Maxwell : Komplizin oder Sündenbock?

          Die Anwälte von Ghislaine Maxwell stellen sie vor Gericht als Opfer dar – und ihre Verteidigung wirft den Anklägerinnen Geldgier vor. Auch das Privatleben der Frauen wird zum Angriffspunkt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.