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Klöster in Mainz : Aus Altersgründen geschlossen

Ausbildungsstätte: Gebaut wurde die Augustinerkirche für die Augustiner-Eremiten, heute wird sie vom Priesterseminar genutzt. Bild: Alexander Sell

Es gibt sie noch immer: Ordensbrüder und -schwestern, die in Mainz ihren Dienst am Nächsten verrichten. Aber sie werden weniger und weniger.

          Das Kloster der Ewigen Anbetung, in dem nur mehr eine Hand voll Klarissen-Kapuzinerinnen ihren täglich außer sonntags um 5 Uhr beginnenden Anbetungsdienst verrichten, entspricht am ehesten den Vorstellungen, die der Laie von einem kontemplativen Orden hat. Wohl auch deshalb nimmt die Gemeinschaft, deren Anwesen sich mitten in der Stadt befindet, in Mainz eine herausragende Rolle ein. Wobei das grundsätzlich vorhandene Interesse von Außenstehenden am Klosterleben nicht dazu geführt hat, dass die Gemeinschaft der katholischen Frauen in den vergangenen Jahren größer geworden wäre. Das Gegenteil war der Fall.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          Das gilt ebenso für die Maria Ward-Schwestern, die in der gleichnamigen Mädchenschule am Ballplatz im Sommer verabschiedet worden sind. Weil am Ende alle Mitschwestern bis auf zwei älter als 80 Jahre gewesen seien, habe man sich entschlossen, diese Niederlassung der Congregatio Jesu aufzugeben, sagte damals die Oberin, Beate Neuberth. Ein Jahr zuvor, im März 2016, hatten schon die bis dahin im Bretzenheimer Berthier-Haus lebenden Missionare der Heiligen Familien angekündigt, nach 55 Jahren Abschied zu nehmen und in ein anderes Kloster des Ordens nach Betzdorf umzuziehen; auch in diesem Fall wurde das fortgeschrittene Alter vieler Patres als Hauptgrund für den Weggang genannt.

          Kein Phänomen der Vergangenheit

          Dennoch sieht der neue Mainzer Bischof Peter Kohlgraf die Klöster, Stifte und Ordensgemeinschaften, „die unbestritten über Jahrhunderte hinweg unsere Kultur mitgeprägt haben, nicht als Phänomen der Vergangenheit“. Im kirchlichen, geistigen und sozialen Leben von Mainz spielten die inzwischen wohl nur mehr etwa 15 aktiven Orden weiterhin eine wichtige Rolle. Daran, dass es in der lange von Erzbischöfen regierten Stadt früher noch viel mehr Ordensleute gab, erinnern bis heute die Namen etlicher Straßen, Plätze und Gebäude: angefangen bei der Weinstube zum Templer über den Karmeliterplatz und Am Viktorstift bis hin zur Augustinerstraße. Vieles von dem, was man nicht mehr sehen kann, ist in dem kurz vor Weihnachten erschienenen Buch „Klöster und Stifte in Mainz: zwischen Pracht und Verfolgung“ gleichsam nachgezeichnet worden.

          Das Bild der 1793 zerstörten und wenige Jahre später beseitigten Liebfrauenkirche wird darin ebenso gezeigt wie Ansichten der ehemals dreischiffigen Basilika von St. Alban, des 1145 erstmals urkundlich erwähnten Klosters Dalen im Zaybachtal sowie der ganz in der Nähe gelegenen Aureus-Kapelle, die sich auf dem Gelände des heutigen Mainzer Hauptfriedhofs befunden haben muss.

          Bestand von klösterlichen Gemeinschaften bis heute

          Dass zumindest einige klösterliche Gemeinschaften nach wie vor bestehen, freut den Mainzer Mäzen Stefan Schmitz, der das Buchprojekt als Herausgeber finanziell unterstützt hat. Nach außen wirkten in der Stadt immer noch die auf eine mehr als 800 Jahre währende Ordensgeschichte zurückblickenden Dominikaner, die seit 1999 mit etwa einem Dutzend Mitglieder in einem modernen Wohnhaus in der Neustadt leben, sowie die unweit der Ruinenkirche St. Christoph beheimaten Kapuziner segensreich, so Schmitz; vergleichsweise beschaulich gehe es bei den Klarissen-Kapuzinerinnen an der Gymnasiumstraße zu.

          Im Bewusstsein der Bevölkerung waren die Ordensleute, die sich vor allem um Arme, Kranke und Schwache kümmerten, in Mainz über Jahrzehnte hinweg mit den beiden katholischen Krankenhäusern St. Hildegardis sowie St. Vincenz und Elisabeth-Hospital eng verbunden. Da das mehr als 100 Jahre alte Hildegardis-Krankenhaus nach vollzogener Fusion nun Teil des Katholischen Klinikums Mainz geworden ist, wurde der alte Standort an den Römersteinen aufgegeben und an einen Investor verkauft, der dort Wohnungen errichten will. Mit der wirtschaftlich nachzuvollziehenden Entscheidung hat die Stadt auch 2017 wieder einen Ort verloren, der von Ordensschwestern lange geprägt worden war - weil sie dort, ganz ohne trennende Mauern, im direkten Kontakt mit Patienten und deren Angehörigen kamen.

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