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Klinik-Übernahme durch Helios : Nachdenken über den Verkauf der HSK

Rhön- und Helios-Kliniken im Rhein-Main-Gebiet Bild: F.A.Z.

Die Rhön-Klinikum AG will ihre 49 Prozent an den Horst-Schmidt-Kliniken an Helios abtreten. Dies ist nun Thema im Aufsehergremium.

          In einer Sondersitzung wird sich der Aufsichtsrat der Wiesbadener Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) heute Abend mit dem geplanten Verkauf eines Anteils von 49 Prozent beschäftigen. Das Geschäft will die Rhön-Klinikum AG mit dem Konzern Fresenius Helios abschließen. Es werde zunächst nur darum gehen, den Aufsichtsrat über die von Rhön angestrebte Transaktion im Einzelnen zu informieren, kündigte der Gesundheitsdezernent Axel Imholz (SPD) gestern an. Beschlüsse würden voraussichtlich nicht gefasst.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Wie berichtet, zählen zu den Krankenhäusern, von denen die Rhön-Klinikum AG sich trennen will, in Wiesbaden neben den HSK die Deutsche Klinik für Diagnostik (DKD) und die Aukammklinik für Orthopädie und Rheumatologie. Die Minderheitsbeteiligung an den mit mehr als 100 Millionen Euro verschuldeten HSK hat Rhön sich rund 250 Millionen Euro kosten lassen. Verkaufen kann das private Gesundheitsunternehmen sie nur mit der Zustimmung der Stadt Wiesbaden.

          Vertrag als Grundlage

          Imholz teilte mit, dass Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD) und er mit Ulf Schneider, dem Vorstandsvorsitzenden des potentiellen Käufers, ein Treffen verabredet hätten, um sich kennenzulernen. Den bevorstehenden Verhandlungen mit Helios werde der mit Rhön abgeschlossene Vertrag zugrunde liegen. Es müsse geklärt werden, wie belastbar er auch unter einem anderen Eigentümer sei. Die Stadt habe mit dem Vertragswerk gewisse Erfahrungen gesammelt. Bestimmte Punkte hätten die Partner unterschiedlich ausgelegt. Jetzt gehe es darum, die Interpretationsspielräume zu schließen. Außerdem müsse man über die Neubaupläne sprechen.

          In dem Vertrag bleibt die Frage, ob die HSK saniert oder durch einen Neubau ersetzt würden, offen. Rhön hat sich aber inzwischen mit der Stadt für einen Neubau entschieden, den das Land Hessen mit einem Zuschuss von 68 Millionen Euro fördern will. Er soll gemeinsam mit einer neuen DKD im Stadtteil Dotzheim einen großen Gesundheitscampus bilden. Auch dazu gibt es keine verbindlichen Vereinbarungen. Unklar ist außerdem, was aus einer „Akademie“ wird, die in einer Passage des Vertrages erwähnt wird, ohne dass Rhön bislang erkennbare Anstalten zu ihrer tatsächlichen Gründung gemacht hätte.

          Umstrittene HSK-Chefs

          Im Raum steht darüber hinaus die Frage nach der Zukunft der beiden umstrittenen HSK-Geschäftsführer André Eydt und Parwis Fotuhi. Imholz sagte dazu lediglich, dass die beiden vertragsgemäß auf den Vorschlag des Mitgesellschafters hin tätig geworden seien. Die Stadt hatte als dritten Geschäftsführer Lutz Hammerschlag benannt. Der 62 Jahre alte frühere Tarifexperte der Ärztegewerkschaft Marburger Bund ist in dem Klinikum für Innenrevision und Gremienarbeit zuständig. Er nahm seine Arbeit am 1. Juni auf. Helios hatte nur einen einzigen Geschäftsführer akzeptieren wollen, als das Unternehmen vor knapp zwei Jahren wie Rhön ein Kaufangebot für die HSK abgab.

          Der CDU-Fraktionsvorsitzende Bernhard Lorenz denkt unterdessen darüber nach, welche Rolle die HSK gegebenenfalls in der Helios-Gruppe spielen könnten. Das Wiesbadener Krankenhaus sei relativ groß. Außerdem werde dort Spitzenmedizin betrieben. Darum liege es nahe, dass Helios es als eine Art Aushängeschild des Konzerns betrachte und entsprechend investiere. Die von den Grünen thematisierte Option eines Rückkaufs der 49 Prozent durch die Stadt hält Lorenz nicht für realistisch. „Das Geld haben wir doch gar nicht.“

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