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Klimawandel in Frankfurt : Abkühlung durch mehr Frischluft und Grün

Kultur, Kommerz, Klima: In einer Großstadt mit Zukunft müssen die Elemente aufeinander abgestimmt sein, sonst verliert sie an Attraktivität. Bild: Patricia Kühfuss

Wegen des Klimawandels werden die Sommer immer wärmer und trockener und die Winter milder und feuchter. Darauf müssen sich Großstädte wie Frankfurt besonders einstellen. Für die Planer ist das eine große Herausforderung.

          Monatelange Trockenheit, wochenlange Hitze mit Temperaturen an der 40-Grad-Marke, tagelange Gewitter und Unwetter mit Starkregen und Sturm: Das ist nicht nur die Zusammenfassung des Frankfurter Sommers 2015. Es ist auch der Ausblick darauf, was der Mainmetropole und ihren Bewohnern in den nächsten Jahren wohl immer häufiger bevorsteht und im Sommer 2025 schon der Normalfall sein könnte - dank Klimawandel.

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Forscher und Meteorologen sind sich einig: Die seit mindestens 30 Jahren zu beobachtende allmähliche Erwärmung der Erdatmosphäre wird sich weiter fortsetzen - weltweit und damit auch in Deutschland, Hessen und Frankfurt. Über die Gründe dieser Veränderung gibt es nach wie vor heftige Kontroversen, die Tatsache als solche ist unumstritten.

          Die Wetterdaten sprechen für sich

          Wie rasant sie inzwischen ist, zeigt ein Vergleich: Der Referenzwert der Meteorologen bei der Beurteilung von Temperaturen ist stets eine langjährige Mitteltemperatur, die aus den Werten von 30 Jahren gebildet wird. Diese Durchschnittswerte stammen derzeit noch aus dem Zeitraum 1961 bis 1990 und werden international anerkannt. Der offizielle Jahresnormalwert für Frankfurt beträgt zum Beispiel 9,7 Grad. Verschiebt man die Referenzperiode aber nur um zehn Jahre und bildet einen Mittelwert für die Jahre 1971 bis 2000, so beträgt der Jahresnormalwert schon 10,2 Grad. Und nimmt man den Zeitraum von 1981 bis 2010 als Referenzperiode, landet man bei einem langjährigen Jahresmittel von 10,6 Grad.

          Die Messreihe von der Wetterstation am Flughafen ist zwar noch vergleichsweise kurz, weil dort erst 1936 mit der regelmäßigen Aufzeichnung von Wetterdaten begonnen wurde. Aber selbst sie lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Schon die bloße Aneinanderreihung der Jahresdurchschnittstemperaturen seit 1936 zeigt, dass sich der Anstieg seit Ende der achtziger Jahre spürbar beschleunigt hat. Mittelwerte von mehr als elf Grad hat es vor 1990 in Frankfurt nicht gegeben - seither aber insgesamt schon neun Mal. Die Zehn-Grad-Marke ist in den vergangenen 20 Jahren nur zwei Mal, nämlich 1996 (9,2 Grad) und 2010 (9,8 Grad), unterschritten worden.

          Hitzesommer bald keine Ausnahme mehr

          Wo die Entwicklung hingeht, macht auch die Aufstellung der zehn wärmsten und der zehn kältesten Jahre in Frankfurt seit 1936 deutlich: Während es seit einem Vierteljahrhundert kein Jahr mehr in die Kälte-Top-Ten geschafft hat, stammen sämtliche Werte der Wärme-Top-Ten aus der Zeit seit 1990. Aber auch die Durchschnittswerte sind aufschlussreich: Während die Jahresmitteltemperatur in Frankfurt zu Kaisers Zeiten alten Aufzeichnungen zufolge meist zwischen sieben und acht Grad lag, hat sie sich seit 1990 bei nur zwei Ausnahmen durchweg oberhalb der Zehn-Grad-Grenze etabliert - und hat im vergangenen Jahr nun zum ersten Mal sogar die Zwölf-Grad-Grenze überschritten.

          Das ist die eine Seite des Klimawandels, die andere ist die mit dem Temperaturanstieg einhergehende Veränderung der Jahreszeiten. Der Wandel des Klimas ist im Gegensatz zum Wetter zwar ein langfristiges Phänomen, das im Alltag der Menschen kaum sichtbare Spuren hinterlässt und seine Wirkung erst nach und nach entfaltet, aber die Prognosen der Forscher für die nächsten Jahrzehnte sind eindeutig: In Frankfurt - wie in ganz Deutschland - werden die Sommer immer wärmer und trockener und die Winter immer milder und feuchter. Nicht in jedem Jahr, denn es liegt im Wesen des Wetters, dass es auch immer wieder Extremwerte und Abweichungen hervorbringt. Aber die Tendenz ist klar: Ein Hitzesommer wie in diesem Jahr wird schon bald nicht mehr die Ausnahme sein.

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