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Carsten Knop

Wirtschaft und Klimawandel : Ein Thema für die Kommunalwahl

  • -Aktualisiert am

Für die Klimawende in den Städten braucht es umsetzbare, überschaubare Projekte. Bild: Lucas Bäuml

Die Städte sollen klimaneutral werden. Wenn es bei dem bisherigen Tempo bleibt, wird dieses Ziel vielleicht erst in Jahrhunderten erreicht. Es müssen also umsetzbare Projekte her. Zur Kommunalwahl in Frankfurt sollte das Thema auf der Agenda stehen.

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          In dieser Woche brauchen die Bewohner und Besucher von Davos keine Staus auf der Promenade zu fürchten. Schadstoffe stoßen nur Serverfarmen aus, die für die virtuelle Veranstaltung in Pandemiezeiten benötigt werden. „Davos“ in Anführungsstrichen also, aber die Themen sind unverändert: Nachhaltiger will man die Welt gestalten; die Städte sollen klimaneutral werden. Wenn es bei dem bisherigen Tempo bleibt, würde es 200 Jahre dauern, sagt einer der Teilnehmer.

          Würde man von sofort an alles einsetzen, was schon jetzt an Technologie zur Verfügung stehe, brauche man vielleicht nur noch ein Zehntel davon. Doch dann zeigt sich, woran es in Davos immer hapert – und was am Dienstag auch die Bundeskanzlerin bemängelt hat. Irgendwann gilt nach Erich Kästner: „Manchmal kommt es nicht auf Worte an, sondern darauf, dass man etwas tut.“ Projekte müssen her, überschaubare, damit es losgeht. Aber welche?

          Charmante Vorschläge

          Es muss anders gebaut werden, auch das Stromnetz muss intelligent werden. Aber wer hat denn schon einen intelligenten Stromzähler daheim? Dass der Elektroautoboom derzeit vor allem den Hybrid-Fahrzeugen zugutekommt, hat einen Grund: Die Ladekapazitäten fehlen. Und von der Möglichkeit, Strom intelligent verteilt in einer großen Flotte von Elektrofahrzeugen zu speichern, ist man in der Realität noch Jahre entfernt. Die Vorschläge, dass Nachbarschaften aufgewertet werden sollen, dass nach Möglichkeit alles, was man zu Arbeit und Leben braucht, in einem Umkreis von 15 bis 20 Minuten erledigt werden kann – sind charmant. Aber in der Praxis, nach Corona?

          Zur Kommunalwahl stellen sich diese Fragen kaum. Die Schwierigkeiten aber ähneln denen anderer Großstädte in der Welt: Es gibt viele Pendler, die Bevölkerung wächst. Zugleich ist eine Verkehrswende unumgänglich. Kompliziert wird es nach der Erkenntnis: Straßenbahnlinien brauchen Platz, U-Bahnen haben eine ewig lange Bauzeit und sind teuer. Will man eine autofreie Innenstadt? Das verspricht die SPD. Eine Trennung von Radfahrern und Autofahrern auf einzelnen Straßen? Darauf setzt die FDP.

          Braucht es gar einen Masterplan, wie ihn die CDU schreiben möchte? Die Grünen wollen Prioritäten setzen: Motorisierter Individualverkehr gehört nicht dazu. Am Ende könnte das Gefühl, dass alles nicht schnell genug geht, Gewissheit werden. Ohne eine Digitalisierung von Energienetzen und (elektrifiziertem) Verkehr wird es nicht gehen. Wer wagt es, als Erster Projekte zu definieren, in die es sich zu investieren lohnt? Ein schönes Thema für die Wahl.

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