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Fintechs und Start-Ups : Fördervolumen in Hessen auf Rekordniveau

Geldanlage: Das Frankfurter Fintech Vaamo profitiert von einem Förderprogramm der Wi-Bank. Bild: Max Kesberger

Die Nachfrage nach Förderkrediten für Gründungen, Innovations- und Infrastrukturprojekte bei der Wi-Bank steigt. Dort ist man zufrieden.

          2 Min.

          Bald eröffnet Jozef Varga die neue Abteilung. Sein Pflegedienst, der den etwas ungewöhnlichen Namen „Rent a Hausfrau 24“ trägt, wird um ein interessantes Angebot reicher. In Zukunft wollen Inhaber Varga und seine Mitarbeiter Intensivpatienten, die dauerhaft beatmet werden müssen, eine Pflege in den eigenen vier Wänden ermöglichen. „Dafür brauchten wir Geld“, sagte Varga, genauer gesagt, um die Mitarbeiter für die neuen Aufgaben zu schulen und neues Personal einzustellen. Fündig wurde er bei der Wirtschafts- und Infrastrukturbank des Landes Hessen, kurz Wi-Bank.

          Daniel Schleidt
          Stellvertretender Koordinator der Wirtschaftsredaktion in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Förderbank unterstützte die Firma mit einem Mikrokredit. „Mit wenig Geld und ohne Sicherheiten sollen damit Dinge angestoßen werden, die sonst vielleicht nicht zustande gekommen wären“, sagte der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir in seiner Funktion als Vorsitzender des Aufsichtsrats. Bei einer normalen Bank hätte man das Darlehen nicht so unkompliziert bekommen - „und schon gar nicht zu solchen Konditionen“, sagte Varga. Deshalb sei er dankbar, von der Wi-Bank unterstützt worden zu sein.

          „Die Fintechbranche ist für die Region wichtig.“

          Die Kleinkredite für Unternehmer wie Varga sind eines von zahlreichen Förderprogrammen, die von der Wi-Bank aufgelegt werden. Bis zu 25.000 Euro können Existenzgründer und junge Unternehmer auf Antrag bekommen. Seit 2014 wurden von 291 Anträgen 152 bewilligt, von denen lediglich drei ausgefallen sind. Dass die Minidarlehen zunehmend gut angenommen werden, auch in Zeiten niedriger Zinsen, beweist die Tatsache, dass im vergangenen Jahr rund 1,3 Millionen Euro dafür bewilligt wurden, 2014 waren es nur 700.000 Euro gewesen.

          Beispiele wie das von Varga helfen, die nackten Zahlen besser zu verstehen, wenngleich die Vertreter der Wi-Bank diese Zahlen für das Jahr 2015 gestern mit zufriedener Miene verkündeten. Schließlich hat die Nachfrage nach zinsgünstigen Krediten aus dem Unternehmen im vergangenen Jahr ein Rekordniveau erreicht. Mit 17,1 Milliarden Euro erhöhte sich das Fördervolumen gegenüber 2014 um 878 Millionen Euro oder 5,4 Prozent. Das Neugeschäft erhöhte sich im vergangenen Jahr von 2,2 Milliarden auf 2,7 Milliarden Euro, die Bilanzsumme der Bank stieg von 15,9 auf 16,8 Milliarden Euro.

          Alles in allem verzeichnete die Bank einen Jahresüberschuss in Höhe von 11 Milliarden Euro, das sind rund 1,3 Milliarden Euro weniger als im Vorjahr. Während das vergangene Jahr von Maßnahmen geprägt war, die der Verbesserung der Infrastruktur und der Förderung von Wohnungs- und Städtebau dienen, richtete Al-Wazir seinen Blick auch nach vorne, schließlich müsse sich die Förderpolitik neuen Trends zuwenden. Beispielhaft nannte der Minister den für das Rhein-Main-Gebiet im Zuge der Digitalisierung wichtigen Trend zu digitalen Finanzdienstleistungen, sogenannten Fintechs.

          „Die Fintechbranche ist für die Region wichtig, hier wollen wir in Deutschland und Europa eine große Rolle spielen“, so Al-Wazir. Dafür sei die Wi-Bank als Finanzdienstleister eine wichtige Institution, schließlich litten gerade Existenzgründer und junge, wachstumsstarke Unternehmen häufig an zu wenig Kapital, um ihre Ideen und Projekte erfolgreich zu vermarkten. So sei kürzlich über das Programm Hessen Kapital für das Fintech Vaamo, das eine neue Form von Geldanlage ermöglicht, eine offene Beteiligung in Höhe von 800.000 Euro bewilligt worden, berichtete Al-Wazir. Um kleine und mittlere Technologiefirmen noch besser zu fördern, soll ein neuer Beteiligungsfonds dabei helfen, aus Forschungs- und Entwicklungsergebnissen schnell marktreife Produkte zu machen. Al-Wazir zufolge ist der Fonds mit 12 Millionen Euro ausgestattet, die zur Hälfte vom Land Hessen und zur anderen Hälfte von der DZ Bank und der Landesbank Hessen-Thüringen kommen.

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