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Der Kleingarten : Gärtner-Idyll im Parzellenformat

Grünes Refugium: Der Kleingartenverein Sankt Gallus an der Mainzer Straße besteht seit 100 Jahren zwischen Autobahn und namensgebenden Stadtteil. Bild: Kühfuss, Patricia

Frankfurt ist auch eine Stadt der Laubenpieper. 16.000 Kleingärten gibt es, die fest in Vereinshand sind, gepflegt und verwaltet werden. Vor 100 Jahren haben die ersten den Verband der Kleingärtner gegründet.

          Im Sommer kommen sie jeden Tag, eigentlich von morgens bis abends. Addi und Ulla Müller aus Bornheim haben seit 38 Jahren ihre Parzelle im Kleingartenverein Riederwald. Die 300 Quadratmeter mit Laube und gemauertem Grill sind ihr zweites Zuhause. Schließlich gibt es Strom und fließend Wasser, saubere Gemeinschaftstoiletten. Früher, sagt er, habe er an den Wochenenden dort auch übernachtet. Heute ist er 80 Jahre alt und bevorzugt sein heimisches Bett. Die Gartenarbeit, die nötig ist, um die gesetzliche Auflage zu erfüllen, auf einem Drittel der Fläche Obst und Gemüse anzubauen, überlässt er seiner Frau. „Das ist verdammt viel Arbeit“, sagt er und macht es sich auf der Terrasse bequem, wo er mit seiner Frau und mit Nachbarin Ute Walta zusammensitzt. „Das ist so eine Idylle hier, und das mitten in Frankfurt“, sagt Walta, sie sei „ganz glücklich“, den Garten zu haben.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Idylle liegt unmittelbar neben Festplatz und Eissporthalle am Ratsweg. Im Norden werden die Kleingärten der Anlagen vom FSV-Stadion eingerahmt, im Osten führt die Straße Am Riederbruch vorbei, auf der sich täglich der Verkehr durch den Riederwald staut, darüber führt die Autobahn 661. „Ach, die hören wir gar nicht“, sagen die Müllers. Nur die Dippemess im Frühjahr und Herbst mit ihren lauten Fahrgeschäften störe, aber das gehe ja wieder vorbei.

          Bundeskleingartengesetz erst 1983 beschlossen

          Der Kleingartenverein Riederwald ist einer von 112 Vereinen, der Müllersche Garten einer von 16.000 Kleingärten in Frankfurt. Nebeneinandergelegt bilden sie eine Fläche, die so groß ist wie alle städtischen Parks zusammen. Das sei eine beachtliche Zahl für eine Großstadt, heißt es, vor allem liegen die Anlagen relativ zentral, wie etwa die am Festplatz. Und es gibt sie schon lange. Im Riederwald sind die ersten Gärten mit dem Baubeginn der Arbeitersiedlung im Jahr 1909 entstanden. Als die Siedlung wuchs, mussten immer wieder Gärten weichen. 1913 entschied man sich deshalb, einen Kleingartenverein zu gründen, und hoffte damit auf Beständigkeit.

          In den besten Jahren hatte der Verein mehr als 1000 Mitglieder. Heute besteht er aus vier Anlagen und rund 240 Gärten. Immer wieder mussten Parzellen aufgegeben werden, für den Autobahnbau oder die U-Bahn. Jetzt sorgen sich die Pächter, dass ihnen die Pläne der Stadt, neben der Eissporthalle das Panoramabad neu zu bauen, gefährlich werden könnten.

          „Riederwald 1913“ war einer von 14 Vereinen, die vor 100 Jahren beschlossen, den „Verband der Kleingartenbauvereine Frankfurt und Umgebung“ zu gründen. Gesetzliche Bestimmungen für das Kleingartenwesen gab es damals noch nicht. Das Bundeskleingartengesetz wurde erst 1983 beschlossen. Die Frankfurter Vereine wollten nicht länger jeder für sich allein gegenüber der Stadt auftreten, vor allem strebten sie danach, neues Land zu erwerben, um die enorme Nachfrage nach Schrebergärten zu decken. 1920 waren sie schon 50 Vereine in dem Zusammenschluss mit 21.000 Mitgliedern. Heute begeht der Stadtverband sein Jubiläum mit einer Festveranstaltung im Gesellschaftshaus des Palmengartens, der Stadtkämmerer wird reden, es kommt auch ein Vertreter des Umweltministeriums.

          Langzeitarbeitslose haben schlechte Karten

          Zu den Gründern des Stadtverbands gehört auch der Kleingartenverein Sankt Gallus 1915. Heute besteht er aus 395 Parzellen, die sich rechts und links der Mainzer Landstraße zwischen dem Gallusviertel und der Autobahn 5 erstrecken. Der Verein zählt zu den großen in der Stadt. Die Nachfrage ist ungebrochen, es gibt eine Warteliste mit 68 Namen. Der Vorstand kann sich unter den Bewerbern diejenigen aussuchen, die er möchte.

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