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Großkundgebung in Frankfurt : Streikende Erzieherinnen warten auf Tarifangebot

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Verrwies auf die gestiegenen Anforderungen in sozialen Berufen: Verdi-Chef Frank Bsirske auf dem Römerberg in Frankfurt Bild: dpa

Seit Wochen sind die Kindertagesstätten dicht. Streikende Erzieher gehen zu Tausenden auf die Straße. Die Arbeitgeber beharren auf ihrer Position - aus ihren Vorschlägen machen sie jetzt aber ein formales Angebot.

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          Zehntausende streikende Erzieher und Sozialarbeiter sind am Donnerstag in Frankfurt und Hamburg auf die Straße gegangen. Der Arbeitskampf werde fortgesetzt, „bis ein akzeptables Angebot vorliegt“, sagte Bsirske vor rund 15.000 Teilnehmern vor dem Frankfurter Rathaus Römer.

          Aus Sicht der Arbeitgeber liegt das Angebot vor: Das Vorschlagspapier mit Verbesserungen bei Eingruppierungen sei jetzt zu einem formalen Angebot erhoben worden, sagte Thomas Böhle, Präsident der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA). Das hieße bis zu 443 Euro mehr für Erzieher mit besonderen Aufgaben und bis zu 448 Euro mehr für Leiter von Kitas. Die VKA habe die Gewerkschaften für den kommenden Dienstag zu Verhandlungen nach Frankfurt eingeladen.

          „Wir wollen ernsthafte Verhandlungen“

          „Aus unserer Sicht kommt es nicht darauf an, ob das VKA-Papier ein Vorschlag oder ein formales Angebot ist. Wir wollen ernsthafte Verhandlungen führen“, sagte Böhle. Die Gewerkschaften hätten sich bisher verweigert - „damit muss jetzt Schluss sein. Einfach nur streiken reicht nicht.“ Eine lineare Erhöhung der Gehälter, gar um zehn Prozent, werde es mit der VKA aber nicht geben, zumal es diesmal keine klassische Lohnrunde sei. Von den angebotenen Verbesserungen würde nach Böhles Worten rund die Hälfte der Erzieher profitieren.

          Bsirske verwies auf die gestiegenen Anforderungen in sozialen Berufen. Das Entgelt müsse entsprechend steigen, sagte er auf der Kundgebung. Es könne nicht richtig sein, dass Erzieher für den gekonnten Umgang mit Kindern weniger verdienten als Facharbeiter für ihren gekonnten Umgang mit Maschinen.

          An der Kundgebung und einem anschließenden Demonstrationszug durch die Frankfurter Innenstadt nahmen nach Schätzungen der Polizei mehr als 15.000 Menschen teil. Sie skandierten etwa „Aufwertung jetzt“. Auch in Hamburg gingen Erzieher auf die Straße - insgesamt kamen nach Angaben der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) 30.000 Streikende zu den Kundgebungen, rund 50.000 Erzieher und Sozialarbeiter hätten sich am Streik beteiligt.

          Zu dem mittlerweile fast dreiwöchigen Streik hat neben Verdi und GEW auch und der Deutsche Beamtenbund dbb aufgerufen. Eine Schlichtung ist nicht in Sicht. Die Gewerkschaften fordern eine höhere Eingruppierung der bundesweit rund 240 000 Erzieher und Sozialarbeiter, die laut Verdi zu Einkommensverbesserungen von durchschnittlich zehn Prozent führen würde. Dies lehnt die VKA ab: „Wir sehen keine Möglichkeit für Verbesserungen um zehn Prozent über alle Gruppen“, sagte Böhle.

          Im hessischen Landtag in Wiesbaden appellierten Redner indes fraktionsübergreifend an die Tarifgegner, den Kita-Streik zu beenden und an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Leidtragende des Streiks seien die Eltern und Kinder, erklärten die Abgeordneten in Wiesbaden. Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) warnte jedoch vor einer Einmischung in die Tarifautonomie. Nicht der Staat, sondern die Tarifpartner müssten eine Lösung finden.

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