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Streikdelegierte treffen sich : Schlichterspruch weckt Hoffnung bei Kita-Eltern

Unterstützung: Im Mai solidarisierten sich in Frankfurt auch Eltern mit den Erzieherinnen und ihren Tarifforderungen Bild: Grapatin, Niklas

Im Tarifstreit um Erzieherinnen und Sozialarbeiten schlagen die Schlichter gestaffelte Gehaltsaufschläge vor - aber viel weniger als von Verdi gefordert. Heute sollen mehr als 300 Verdi-Streikdelegierte in Frankfurt die Empfehlung bewerten.

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          Der Schlichterspruch im Sozial- und Erziehungsdienst weckt Hoffnung auf ein Ende des Tarifstreits. Brigitte Molter vom Gesamtelternbeirat der städtischen Kindertageseinrichtungen Frankfurt sagte gestern, sie hoffe, dass den Familien nun ein abermaliger Kita-Streik erspart bleibe. Gewerkschaften und Arbeitgeber müssten in den Verhandlungen, die heute auf Grundlage des Schlichterspruchs fortgesetzt werden, „mit Umsicht und Augenmaß im Interesse aller Beteiligten zu einer Einigung kommen“.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die von den Tarifparteien berufenen Schlichter, der sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) und der frühere Hannoveraner Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg (SPD), hatten gestern ihre einvernehmliche Empfehlung vorgestellt. Für Erzieher und Sozialarbeiter sind nach Entgeltgruppen differenzierte Steigerungen von 2 bis 4,5 Prozent vorgesehen. Die Erhöhung in der größten Gruppe, jener für Erzieher mit Grundtätigkeit, beträgt durchschnittlich 3,3 Prozent. Für die Beschäftigten ergeben sich dadurch Zugewinne zwischen 33 und 160 Euro monatlich.

          Bewertung steht aus

          Sollten die Gewerkschaften und die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände dem Vorschlag folgen, könnte der Tarifvertrag zum nächsten Monat in Kraft treten und dann für fünf Jahre gelten. Heute sollen mehr als 300 Verdi-Streikdelegierte in Frankfurt die Empfehlung bewerten. Am Abend werden die Spitzen beider Seiten die Tarifverhandlungen in Offenbach fortführen. Der Schlichtung war ein vierwöchiger Streik in vielen kommunalen Kindertagesstätten und Sozialeinrichtungen vorausgegangen.

          Die kommunalen Arbeitgeber teilten mit, sie hätten dem Schlichtungsergebnis vorläufig zugestimmt, um weitere Belastungen für die Kinder und deren Eltern durch Streiks zu vermeiden. Die Gewerkschaft Verdi, die ursprünglich eine Entgeltsteigerung von durchschnittlich zehn Prozent gefordert hatte, lobte am Schlichterspruch, dass für alle Beschäftigtengruppen Verbesserungen vorgesehen seien. Die angestrebte grundsätzliche Aufwertung des gesamten Berufsfeldes sei hiermit aber noch nicht erreicht.

          Der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky appellierte gestern gemeinsam mit Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel (beide SPD) an die kommunalen Arbeitgeber und die Gewerkschaften, den Schlichterspruch zu akzeptieren. Die Belastungsgrenze für berufstätige Eltern und ihre Kinder seien nach vier Streikwochen erschöpft. Eine Fortsetzung des Ausstands in den Kindertagesstätten sei nicht zumutbar. Die Tarifvertragsparteien sollten ihrer Verantwortung gerecht werden und Familien die Angst nehmen, dass sie bald wieder vor verschlossenen Kita-Türen stehen könnten.

          Erfreulicherweise sei es während des Streiks gelungen, alle Nachfragen nach Notplätzen zu erfüllen, sagten Kaminsky und Weiss-Thiel. Das sei allerdings nur dank einer engagierten und solidarischen Elternschaft möglich gewesen, die die Betreuung in Eigenregie organisiert habe. Auch die Erzieher, die den Notdienst übernahmen, hätten jeden Tag aufs Neue eine für alle Seiten schwierige Situation gemeistert.

          Die Frankfurter Bildungsdezernentin Sarah Sorge (Die Grünen) äußerte ebenfalls die Hoffnung, dass weitere Streiks allen Beteiligten erspart bleiben. Es sei gut, dass sich beide Seiten bewegt hätten. Zum jetzigen Zeitpunkt könne sie noch nicht sagen, wie sich der Schlichterspruch im Fall seiner Übernahme durch die Tarifpartner finanziell für die Stadt auswirken werde. In Frankfurt würden Erzieher in einer höhere Entgeltgruppe eingestuft und somit schon heute deutlich besser bezahlt als in anderen Kommunen.

          Die Stadt werde auch im neuen Tarifgefüge darauf achten, dass ihre Kita-Beschäftigen vergleichsweise gutgestellt seien. „Damit zeigen wir, dass uns frühkindliche Bildung etwas wert ist.“ Die Frankfurter Kinderzentren müssten als Arbeitgeber attraktiv sein, um genügend qualifiziertes Personal zu gewinnen.

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