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Kita-Leiterin Simin Compani : Die Kämpferin

  • -Aktualisiert am

Kinderspiel nach eigener Vorstellung: Simin Compani in der Kita „Eckenheimer 303“, die sie aufbaute und seit drei Jahren leitet Bild: Eilmes, Wolfgang

Simin Compani leitet eine Kita in Frankfurt. Wie hartnäckig sie die Interessen von Familien und von Erzieherinnen vertritt, durfte vor kurzem auch eine Spitzenpolitikerin aus nächster Nähe erleben.

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          Nein, die Familienministerin hat Simin Compani zum Abschied nicht die Hand geschüttelt. Die Erzieherin hätte die Szene nach Sendeschluss der Talkshow „Günther Jauch“ als Beleidigung auffassen können. Hat sie aber nicht. Dass die CDU-Politikerin Kristina Schröder sie bei der Verabschiedung überging, hat gezeigt, wie gut die Leiterin einer Frankfurter Kindertagesstätte ihre Rolle vor dem Millionenpublikum an den Bildschirmen gespielt hatte. „Was wird aus dem Kita-Versprechen?“ lautete der Titel der Sendung, die Ende Februar ausgestrahlt wurde. Und wer hätte diese Frage besser stellen können als eine Frau, die jedes Jahr Hunderten Elternpaaren beibringen muss, dass sie das Versprechen nicht einlösen kann, das andere gegeben haben? Eine befriedigende Antwort hat Compani nicht bekommen von der Ministerin. Vermutlich, weil es derzeit keine befriedigende Antwort gibt.

          Companis Rechnung ist einfach: In den vier Gruppen der Kita „Eckenheimer 303“ gibt es gut 60 Plätze. Im Sommer würden fünf davon frei, sagt sie. Angefragt, ob ihr Kind einen davon bekommen könne, haben rund 300 Elternpaare. Eine realistische Chance haben nur die Kinder, deren Geschwisterkind schon dort betreut wird. „Ich sitze an der Front“, sagt Compani. Und dort führt sie immer wieder das gleiche Gespräch. Sie bedankt sich für das Interesse der Eltern und versucht, ihnen zu verdeutlichen, dass sie sich keine Hoffnungen machen sollten.

          Lebendige Kita statt muffiger Bürokraten-Gänge

          Dass Compani ihren Beruf trotzdem liebt wie am ersten Tag, liegt daran, dass es von ihrem Büro nur wenige Schritte sind bis in die Gruppenräume der Kinder. Räume sind das, die nach Companis Vorstellungen entstanden sind, nach Vorstellungen, die mehr als 20 Jahre Zeit hatten zu reifen. Gleich nach der Schule begann die heute Vierzigjährige ihre Ausbildung zur Erzieherin, arbeitete danach für längere Zeit in einem Kinderladen im Nordend. Das Ziel, irgendwann eine größere Einrichtung zu leiten, kristallisierte sich bald heraus. Zwischenzeitlich bildete sie sich auf eigene Kosten und neben der Arbeit weiter. „Sozialfachwirtin“ darf sie sich mittlerweile nennen.

          Mitarbeiter-Kommunikation, Elterngespräche und Verhandlungen mit den Trägern: Die Arbeit einer Kita-Leiterin hat viel mit Führung zu tun. Compani wartete auf den richtigen Moment, um den Sprung zur Chefin zu wagen. Sie wollte weiterhin in Nordend-Nähe arbeiten. Den Stadtteil, besonders bei jungen, gegen Gentrifizierung resistenten Frankfurtern beliebt, nennt die Erzieherin „meinen Block“. Den Luxus, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren, wollte sie nicht aufgeben. Musste sie auch nicht. Irgendwann kam ihre Vorgesetzte beim sozialpädagogischen Verein, Träger des Kinderladens, mit dem richtigen Angebot: An der Eckenheimer Landstraße wurde das Hinterhaus des ehemaligen Versorgungsamts frei. Aus den nach Amtsschimmel riechenden Bürokraten-Gängen ein kindgerechtes Haus zu machen war eine Herausforderung nach Companis Geschmack.

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