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Kita-Affäre : Auf Kosten der Awo-Mitarbeiter

Frankfurter Awo will nach Negativ-Schlagzeilen Konsequenzen ziehen. Bild: dpa

Günstlingswirtschaft, Mobbing, Veruntreuung: Die Frankfurter Awo zieht Konsequenzen aus den Vorwürfen und wählt demnächst ein neues Präsidium. Doch das reicht nicht aus, denn die Rechnung für die derzeitige Misere zahlen auch andere.

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          Die Ankündigung der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt, nach dem Jahreswechsel ein neues Präsidium zu wählen, reicht nicht aus. Die Verantwortlichen hätten längst zurücktreten, zumindest aber ihre Funktionen ruhenlassen müssen. Nur so wäre eine unbehinderte Aufklärung der schweren Vorwürfe von Günstlingswirtschaft über Mobbing an Mitarbeitern bis hin zur Veruntreuung städtischer Zuschüsse möglich. Solange die Awo-Spitze noch im Amt ist, besteht der begründete Verdacht, dass mögliche Beweise verschwinden – wenn das nicht schon längst geschehen ist.

          Der Awo-Bundesverband befürchtet, dass die Frankfurter Verhältnisse den Ruf deutschlandweit beschädigen könnten. Was das bedeuten würde, bekommen viele Ehrenamtliche und einfache Mitarbeiter in Frankfurt schon jetzt zu spüren. Die Mitglieder in den Ortsvereinen, die Erzieherinnen in Kitas, die Pflegekräfte in Altenheimen, die Sozialarbeiter in Jugendhäusern oder die Quartiersmanager in den Brennpunktvierteln – sie alle müssen sich für das rechtfertigen, was das Führungspersonal zu verantworten hat.

          Schmerzhafte Ungerechtigkeit

          Diese Ungerechtigkeit schmerzt umso mehr, als die Awo-Mitarbeiter tagtäglich wertvolle Dienste für die Bürger erbringen, oft unter schwierigen Bedingungen und ohne dabei viel zu verdienen. Sie können nur ungläubig den Kopf schütteln, wenn sie hören, dass die Führung Luxusautos fährt, sich gegenseitig Honorarjobs zuschanzt und dann noch sogenannte Ehrenamtspauschalen kassiert.

          Für die Frankfurter Stadtpolitik ist die Affäre alles andere als ein Ruhmesblatt. Insbesondere SPD-Politiker, die langjährig und eng mit der Arbeiterwohlfahrt verbunden sind, müssen sich fragen lassen, warum sie die Führung des Kreisverbands so lange haben gewähren lassen. Dass sie weggeschaut haben, ist noch die harmloseste Erklärung. Denn es sieht zumindest in einigen Fällen danach aus, dass das System Awo toleriert und gefördert wurde, weil es den eigenen Interessen gedient hat.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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