https://www.faz.net/-gzg-7lqur

Kirchenrechtler Schüller : „Auflösung des Bistums Limburg unwahrscheinlich“

  • Aktualisiert am

Steine des Anstoßes: die Kosten für das neue Bischofshaus in Limburg sind Gegenstand einer Untersuchung Bild: dpa

Kirchenrechtler Thomas Schüller rechnet nach seinen Worten nicht mit der Auflösung des Bistums Limburg als Reaktion auf die Krise. Eine anders lautende Nachricht stuft er als „Desinformation“ ein.

          1 Min.

          Eine Auflösung des Bistums Limburg als Ausweg aus den Querelen um den Bischof ist nach Auffassung des  Kirchenrechtlers Thomas Schüller unwahrscheinlich. Zwar komme es in der Weltkirche immer wieder vor, dass Bistumsgrenzen verändert würden, sagte der Theologieprofessor aus Münster. „Das ist Sache des Papstes.“

          Eine Auflösung sei aber nach den Verträgen zwischen Kirche und Staat (Konkordat) nur möglich im Einvernehmen mit dem Bundesland, in dem ein Bistum liege. Erstrecke sich ein Bistum über zwei Länder, müsse auch der Bund zustimmen. Limburg vereint Teile von Hessen und Rheinland-Pfalz.

          „Reine Spekulation“

          Die Kosten für die Residenz des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst sind kräftig gestiegen, sie sollen sich auf mindestens 31 Millionen Euro belaufen. Zudem gab es Kritik an seiner Amtsführung. Deshalb hat ihm Papst Franziskus eine Auszeit verordnet.

          Das Nachrichtenmagazin „Focus“ berichtet über angebliche Überlegungen im Vatikan, das 1827 gegründete Bistum Limburg aufzulösen und auf Mainz und Trier zu verteilen. Ein Sprecher des Limburger Bistums nannte das schon am Wochenende „reine Spekulation“. Gleiches gelte für eine angebliche alternative Überlegung, am Limburger Bischofssitz einen Administrator einzusetzen.

          „Bewusste Desinformation“

          Schüller schätzt die Nachricht von der angeblichen Auflösung als „bewusste Desinformation“ ein von Kirchenkreisen, die Tebartz-van Elst nahestehen. Er hat selbst 16 Jahre lang in Limburg gearbeitet. Der Jurist sagt, bei einem starken Zuwachs an Katholiken könnten Diözesen geteilt werden. So sei der frühere Papst Johannes Paul II. in seiner Heimat Polen verfahren. In Deutschland sei nach der Wiedervereinigung das Erzbistum Hamburg eingerichtet worden. Wo die Zahl der Gläubigen abnehme, könnten Bistümer auch aufgelöst werden. Limburg ist mit etwa 600.000 Katholiken in Deutschland ein mittelgroßes Bistum.

          Für realistischer hielt Schüller die im „Focus“ erwähnte Möglichkeit, dass ein apostolischer Administrator eingesetzt wird. Dieser wäre allein dem Vatikan verantwortlich bis zur Wahl eines neuen Bischofs. Derzeit führt Generalvikar Wolfgang Rösch in enger Abstimmung mit Rom die Diözese. Eine Kommission der Deutschen Bischofskonferenz hat die Kostensteigerung der Residenz auf dem Limburger Domberg geprüft und arbeitet an einem Bericht, der nach Angaben eines Sprechers im Februar vorliegen soll. Tebartz-van Elst hat einstweilen Zuflucht in einem bayerischen Kloster gefunden.

          Weitere Themen

          Börsenglocke zum Geburtstag Video-Seite öffnen

          F.A.Z. wird 70 : Börsenglocke zum Geburtstag

          Nein, die F.A.Z. geht nicht an die Börse. Dass Werner D'Inka, seine Mit-Herausgeber und die Geschäftsführer die Eröffnungsglocke auf dem Frankfurter Parkett läuten durften, war ein Geschenk der Deutschen Börse zum 70. Geburtstag.

          Topmeldungen

          Die Diplomaten George Kent (links) und William Taylor (rechts) im großen Ausschusssaal im Longworth-Building des Repräsentantenhauses in Washington

          Ukraine-Affäre : Taylor belastet Trump

          Mit der öffentlichen Anhörung von Kent und Taylor hat eine neue Phase der Impeachment-Ermittlungen gegen Präsident Trump begonnen. Botschafter Taylor fügt seiner früheren Aussage eine Ergänzung hinzu, die aufhorchen lässt.

          Abwahl Brandners : Hetzen als System

          Der Rechtsausschuss hat seinen Vorsitzenden Stephan Brandner abgewählt. Seit Jahren beschimpft der AfD-Politiker alle politischen Gegner – und zeigt dabei eine Vorliebe für sexuell aufgeladene Pöbeleien.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.