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Kirche in Darmstadt : Neue Fenster nach 75 Jahren

  • -Aktualisiert am

Glaskunst: die neun Meter hohen Fenster in der Darmstädter Kirche Bild: Marcus Kaufhold

Ende 1944 wurden die Scheiben der Kirche Sankt Elisabeth in Darmstadt bei einem Luftangriff zerstört. Jetzt haben Studenten neue Buntglasscheiben entworfen.

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          Es war der letzte Kriegswinter 1944, zahlreiche Bomben hatten in Darmstadt bereits schwere Schäden hinterlassen. Und noch immer erlebte die Stadt Luftangriffe. Fast auf den Tag genau vor 75 Jahren, am 12. Dezember, traf es auch die katholische Kirche Sankt Elisabeth nahe dem Herrngarten: Die Chorfenster – kirchentypisch bunte Scheiben über dem Altarbereich – wurden zerstört.

          Jetzt, mehr als sieben Jahrzehnte später, hat das Gotteshaus neue Fenster bekommen. Die alten, seinerzeit als Provisorium eingebauten Glasscheiben haben ausgedient. Somit gehören auch die Jutesäcke, mit denen sie verhängt waren, um Altar und Chorraum vor Sonneneinstrahlung zu schützen, der Vergangenheit an. Stattdessen tauchen 216 farblich gestaltete Scheiben, verteilt auf sieben Fenster mit neun Meter Höhe und zwei mit fünf Metern, die Kirche wieder in das für sakrale Bauten typische warme Licht.

          Das Darmstädter Kirchenfensterprojekt galt als das bundesweit größte – und ist vermutlich auch das ungewöhnlichste. Denn verwirklicht haben es nicht berühmten Glaskünstler, sondern Studenten der Hochschule Darmstadt. Markus Hau, zu Arbeitsbeginn noch Student im Fach Kommunikationsdesign, hat die Fenster entworfen. Gefertigt wurden die Echtantikgläser von einer Glashütte in Frankreich, bearbeitet hat sie ein Glasbaumeister aus Darmstadt. Haus Entwürfe waren dort unter anderem mit Airbrush-Technik aufgebracht worden.

          Lange Überzeugungsarbeit beim Bistum

          Für Hau, der sein Studium Anfang des Jahres abgeschlossen hat, war das Projekt eine einmalige, unvergessliche Erfahrung. „Es ist toll von der Gemeinde, dass sie Studenten eine Chance gegeben hat und sich nicht von bekannten Künstlern die Fenster entwerfen ließ.“ Die Gemeinde habe sich schon früh dazu entschieden, für ihre Fenster etwas Neues, anderes auszuprobieren, sagte Edwin Christl, der das Projekt für Sankt Elisabeth geleitet hat. „Wir wollten junge Menschen dadurch mit der Kirche in Verbindung bringen und möglichst viele Ressourcen aus unserer Stadt nutzen.“ Also habe man beschlossen, Studenten des Fachbereichs Gestaltung einzubeziehen. Nach langer Überzeugungsarbeit, erste Gespräche habe es schon 2008 gegeben, hatte sich die Gemeinde mit ihrer Idee schließlich auch beim zuständigen Bistum in Mainz durchgesetzt.

          Von 2014 an arbeiteten Studenten drei Semester lang an dem Projekt und lernten dabei nicht nur die Kirche Sankt Elisabeth kennen. Um ein Gefühl für die Dimensionen von Kirchenfenstern zu erhalten, besuchte der Kurs die Kathedrale von Reims und den Kölner Dom. Außerdem besichtigten sie eine Glashütte und erfuhren, wie viel Arbeit und Kraftanstrengung nötig ist, um zum Beispiel Glas für Kirchenfenster herzustellen. Denn auch die Scheiben, die jetzt Sankt Elisabeth zieren, sind mundgeblasen. Schließlich erfuhren die Studenten etwas über christliche Farbsymbolik und beschäftigten sich mit der Geschichte von Sankt Elisabeth. „Es war einfach alles eine tolle Erfahrung“, sagt Hau.

          Dass die neuen Fenster für Sankt Elisabeth auf seinen Entwürfen basieren werden, war jedoch erst nach einer Befragung der Gemeindemitglieder klar. Zuvor waren vier studentische Vorschläge in die engere Auswahl gekommen. Die Gemeindemitglieder entschieden sich daraufhin für jene des Zweiunddreißigjährigen. Seine in den Farben Rot, Blau, Grün und Gelb gehaltenen Fenster sollen die Farbgebung der Natur widerspiegeln, sagt der Künstler. „Ich sehe in der Natur etwas Göttliches, und das möchte ich auch in den Fenstern zeigen.“ Er habe auf Motive verzichtet und sich stattdessen abstrakten Formen und Farbverläufen gewidmet. „Ich wollte Raum für Interpretationen schaffen, denn eine Kirche ist ja auch ein Ort für Reflexionen“, sagte Hau. Ihn hat die Arbeit derart begeistert, dass er etwas Ähnliches auch in Zukunft machen würde.

          Finanziert wurde das außergewöhnliche, 420.000 Euro teure Projekt jeweils zur Hälfte durch Spenden und Geld der Gemeinde. Seitens des Bistums sei nichts dazugegeben worden, das hätten die Statuten nicht erlaubt, sagte Christl. Künstlerische Arbeiten würden nicht bezuschusst.

          Feierlich eingeweiht werden die neuen Fenster dennoch: Am Sonntag, dem 15. Dezember, 10 Uhr, wird der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf in der Kirche Sankt Elisabeth, Schloßgartenstraße 57 in Darmstadt, erwartet.

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