https://www.faz.net/-gzg-834xz

Der Lokaltermin : Punch und Hot Dogs

Ganz ohne Fenster: die „Kinly Bar“. Bild: Wonge Bergmann

Tageslicht und Handyempfang gibt es in der „Kinly Bar“ im Bahnhofsviertel nicht - aber überzeugende Drinks. Gegen den Hunger kann man zu Hot Dogs greifen, ein lohnender Imbiss. Der Lokaltermin.

          Die Damen gehen gelangweilt vor dem Hotel Elbe auf und ab. Kurz werfen sie den beiden Fremden auf dem Gehweg einen auffordernden Blick zu, wenden sich aber ab, als die Männer an der schwarzen Tür neben dem Hotel stehen bleiben und klingeln. Die Sache ist klar: Die Herren wollen keine Annäherung, sie wollen trinken - wie alle Gäste, die abends vor der „Kinly Bar“ im Bahnhofsviertel um Einlass bitten.

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wenn sich die schwarze Tür öffnet, müssen die Gäste eine steile Treppe hinabsteigen, ins Reich von René Soffner und Armin Azadpour. Die beiden haben sich hier, in den zwei kleinen Räumen der ehemaligen „Kiez-Praline“, erst vor ein paar Wochen eingerichtet. Sie haben die Einrichtung ausgetauscht, die Wände in einem grünlich-braunen Ton gestrichen und eine Theke eingebaut. Tageslicht und Handyempfang gibt es in ihrem Keller nicht - aber großartige Drinks und Cocktails.

          Drinks, die überzeugen

          Die Karte der erfahrenen Bartender, die schon in Frankfurt im „Roomers“ und „The Parlour“ und auch in Zürich hinter dem Tresen gestanden haben, ist keine Liste gängiger Cocktails. Nur ein paar Eigenkreationen sind dort aufgeführt, zum Beispiel „Penicillin“, eine unscheinbare, aber furchteinflößend gute, mit Eiweiß schaumig geschlagene Mischung aus Bulleit Bourbon, Ingwer, Zitronenmelisse, gegrillter Zitrone und einem kleinen Sprühstoß Islay Whisky. 12,50 Euro muss der Gast dafür auf den Tisch des Hauses legen - aber der Drink ist jeden Cent davon wert, und wer Soffner und Azadpour beim Mixen eine Weile zuschaut, der kann nur über die Akribie und Detailverliebtheit staunen, die sie an den Tag - oder besser: die Nacht - legen.

          Natürlich servieren die beiden Hausherren auch klassische Cocktails. Wer einen Old Fashioned, einen Moscow Mule oder einfach nur einen Gin Tonic trinken möchte, der bekommt ihn. Viel aufregender und besser aber ist das, was Soffner und Azadpour zum Beispiel zum Thema Wacholderschnaps einfällt und dann mit dem einfachen Namen „Gin & Juice“ ins Glas kommt: durch rosa Pfeffer aromatisierter Tanqueray Gin mit einem Lorbeer-Blatt und einem Saft aus Merlot-Trauben. Das ist nicht mörderisch komplex in der Komposition, aber perfekt abgestimmt und für 10,50 Euro ein erstklassiger Drink.

          Hot Dogs bis tief in die Nacht

          Gewissermaßen die Spezialität der „Kinly Bar“ ist der Punch. Für den Genuss dieser vor allem im England des 17. und 18. Jahrhunderts enorm beliebten Mischung aus Alkohol, Wasser, Zucker, Früchten und Gewürzen gibt es in einer Nische sogar einen eigenen Tisch. An diesem „Punch Table“ sollen die Gäste gemeinsam aus einer großen Bowle zum Beispiel den „House Punch # 1“ (Rum, Apfel, Kardamom, Vanille, PX-Sherry, Oleo-Saccharum und Zitrone) in ihre Gläser füllen - und trinken.

          Falls sie dabei der Hunger übermannt, können sie auf eine weitere Besonderheit der „Kinly Bar“ zurückkommen: die Hot Dogs. Die haben Soffner und Azadpour nämlich als einzige feste Nahrung bis tief in die Nacht im Angebot. Und allein ihretwegen lohnt sich schon der Abstieg von der Straße in diesen dunklen Keller.

          Weitere Themen

          Aufforderungen zur Reflexion

          Nachwuchsfotografen : Aufforderungen zur Reflexion

          Talentschau mit einem möglichen Einblick in die Zukunft: Die Deutsche Börse Photography Foundation präsentiert junge Fotografie aus aller Welt.

          Topmeldungen

          Spaniens amtierender Ministerpräsident Pedro Sanchez nach dem Treffen mit König Felipe

          Regierungsbildung gescheitert : Stillstand in Spanien

          Pedro Sánchez hat keine Mehrheit im Parlament. Zum zweiten Mal in diesem Jahr wird im November ein neues Parlament gewählt. Doch die politische Blockade könnte andauern.
          Demnächst möglicherweise seltener zu sehen: „Zu vermieten“-Schild an einem Haus in Berlin-Schöneberg.

          F.A.Z. exklusiv : Mietendeckel schadet den Mietern

          Der Mietendeckel in Berlin soll das Wohnen bezahlbar halten. Doch die Studie eines renommierten Forschungsinstituts zeigt jetzt: Tatsächlich könnte er genau das Gegenteil bewirken.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.