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Schutz der Kinder : Erste Kita führt Impfpflicht ein

Viel Diskussion um kleinen Stich: Sollte es eine Impfpflicht für Kinder geben? Bild: dpa

Sollten nur geimpfte Kinder Zugang zu Kitas haben dürfen? In Mainz will eine Einrichtung Kinder ohne entsprechende ärztliche Bescheinigung abweisen. Dabei ist die Lage rechtlich klar geregelt.

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          Gut ein Dutzend Neue werden nach den Sommerferien in der Kindertagesstätte „Hoppetosse“ erwartet – und alle müssen geimpft sein. Denn in der integrativen Einrichtung, die es seit den achtziger Jahren im Mainzer Stadtteil Bretzenheim gibt, will man auf Nummer Sicher gehen. Während bundesweit noch darüber diskutiert wird, wie am besten dafür gesorgt werden kann, dass möglichst alle Kinder die empfohlenen Standardimpfungen bekommen, hat der Trägerverein schon Fakten geschaffen. Eine entsprechende ärztliche Bescheinigung gehört fortan zu den zwingend zu erfüllenden Voraussetzungen, um in der „Hoppetosse“ aufgenommen zu werden.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          Marie Lisa Kehler

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          In Mainz ist das ein Novum. Den Beschluss habe der Vorstand des Vereins für Körper- und Mehrfachbehinderte Mainz einstimmig gefasst, sagte der Geschäftsführer Sven Engel gestern auf Anfrage. Er leitet zugleich die Kita, die gemeinsam mit der Krippe über 77 Plätze für Kinder mit und ohne Behinderung verfügt. Man wolle im Interesse der zu betreuenden schwerstmehrfachbehinderten Kinder, die oftmals noch dazu unter einer Immunschwäche litten, das Risiko einer Ansteckung gering halten. Dabei orientiert sich der Kindergarten an den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko) des Robert-Koch-Instituts. Dieses sieht im Kampf gegen Masern, Mumps und Röteln trotz einer bundesweit hohen Impfquote von mehr als 95 Prozent immer noch Verbesserungsbedarf.

          Sowohl im Gesundheitsministerium des Landes als auch bei der Stadt Mainz, die selbst mehr als 50 Einrichtungen betreibt, wird Eltern dringend geraten, ihre Kinder den Vorgaben entsprechend impfen zu lassen. Im Gegensatz zur „Hoppetosse“ reicht in den anderen Mainzer Kindertagestätten aber weiterhin, dass Eltern eine Impfberatung nachweisen können. Die Stadt will noch abwarten, bis das von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angekündigte Gesetz zur Einführung einer Masern-Impflicht verabschiedet ist. Dann habe man eine Grundlage für das weitere Vorgehen.

          „Da sind noch viele Fragen offen“

          Auch die Lebenshilfe in Frankfurt betreibt fünf integrative Kindergärten. 95 Prozent der Kinder, die eine der Einrichtungen besuchen, seien gegen Masern geimpft, sagt Dorle Horcher, Bereichsleiterin der integrativen Kindergärten. Bei zwei der 133 Kinder sei eine Impfung nicht möglich, da ihr Gesundheitszustand das nicht zulasse. Haben sich Eltern aus anderen Gründen gegen eine Impfung ausgesprochen, urteilt Horcher darüber nicht. Die Situation sei schließlich rechtlich klar geregelt. „Es gibt noch keine Impfpflicht in Deutschland. Dafür hat jedes Kind das Recht auf einen Kindergartenplatz.“ Sie betont: „Wir sind eine integrative Einrichtung und schließen niemanden aus.“ Auch hier reicht es aus, wenn die Eltern nachweisen können, an einer Impfberatung teilgenommen zu haben.

          Der Leiter der Abteilung Infektiologie und Hygiene des Frankfurter Gesundheitsamtes, Antoni Walczok, sagt hingegen: „Ich kann die Entscheidung, die in Mainz getroffen wurde, nachvollziehen.“ Auch in den städtischen Einrichtungen in Frankfurt müssten Eltern lediglich einen Beratungsnachweis vorlegen. So versuche man zu verhindern, „dass Eltern aus Unwissenheit ihre Kinder nicht impfen“. Walczok verfolgt gespannt die Pläne auf Bundesebene, eine Masern-Impfpflicht einzuführen. Das könnte zur Folge haben, dass Besucher und Angestellte von „Kindergemeinschaftseinrichtungen“, etwa Schulen und Kindergärten, nach Hause geschickt würden, sollte der Impfschutz nicht ausreichen. „Da sind noch viele Fragen offen“, sagt Walczok. Etwa, wie sich ein solches Gesetz mit der Schulpflicht verträgt.

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